08.08.2020: Steinkohle ist Blutkohle! #AufstandmitAbstand

Steinkohle ist Blutkohle!

#AufstandmitAbstand

Am Samstag, den 8. August gehen wir für eine klimagerechte Welt auf die Straße. Lasst uns alle gemeinsam gegen die neokoloniale Steinkohle-Politik Deutschlands kämpfen!

Startpunkt ist um 10 Uhr auf dem Rosa-Luxemburg-Platz vor der Volksbühne.

Zusammen bewegen wir uns lautstark in Richtung des Wirtschaftsministeriums und der Vattenfallzentrale beim Naturkundemuseum.

Staaten und Konzerne: Hand in Hand für neokolonialen fossilen Kapitalismus:

Seit 2018 wird in Deutschland keine Steinkohle mehr abgebaut. Trotzdem gewinnt Deutschland 13% des Stroms aus diesem fossilen Rohstoff. Dafür wird er aus anderen Ländern importiert, da unter Einhaltung inländischer Arbeits- und Umweltschutzstandards der Abbau nicht mehr profitabel ist. Dabei werden die mit dem Kohleraubbau einhergehenden Probleme wie Vertreibung, Mord, Enteignung, Gesundheits- und Umweltschäden auf die in den Exportländern lebenden Menschen ausgelagert. Insbesondere durch den Import von Steinkohle aus Regionen wie Kuzbass in Russland oder El Cerrejón in Kolumbien unterstützen Energieunternehmen wie Vattenfall aktiv Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen an der Bevölkerung. Der deutsche Staat ist durch seine Importgenehmigungen, Auftragsvergaben und die Abnahme des Stromes für staatliche Einrichtungen für neokolonialer Strukturen verantwortlich.

In Kolumbien wurden seit 1995 weit mehr als 60.000 Menschen vertrieben und über 2600 Menschen für den lukrativen Kohleabbau getötet. Alleine Im letzten Jahr wurden 64 Aktivist*innen in Kolumbien ermordet.

Um es drastisch zu sagen:

An der Bundesregierung und den deutschen Kohleunternehmen klebt Blut.

Illegitime Regierungen und Parlamente „legitimieren“ kapitalistische Klimazerstörung:

Das Kohleausstiegsgesetz der Bundesregierung kommt in seinen Zielen nicht einmal an die Empfehlungen der eigens eingesetzten Kohlekomission heran, ganz zu schweigen vom 1,5°C Ziel des Pariser Klimaabkommens. Das Gesetz subventioniert Kohleunternehmen mit Milliarden, die wissentlich seit Jahrzehnten unsere Zukunft verfeuern und damit Millionen von Menschenleben in Gefahr bringen. Dieser Umstand ist ein Kapitalverbrechen an Generationen junger Menschen.

Um unsere Zukunft und die Leben vieler Menschen zu retten, müssen wir sofort die Verbrennung des Klimakillers Kohle stoppen. 

Lasst uns gemeinsam für eine klimagerechte antikapitalistische Welt kämpfen.

Am 8. August 2020 Rosa-Luxemburg-Platz 

10 Uhr Auftaktkundgebung, 11 Uhr Demobeginn

Für die Demo wird noch nach Redebeiträgen gesucht, solltet ihr einen schreiben wollen meldet euch bei dieser Mail. Schlüssel ist im Anhang

22.08.2020: OHNE KOHLE NACH KEYENBERG

OHNE KOHLE NACH KEYENBERG

Alle ab aufs Rad – die Dörfer müssen bleiben! 🚲

Am 22. August sammelt sich @ohnekerosinnachberlin mit @alle_doerfer_bleiben und dem Klimacamp Rheinland um 9:30 Uhr am Hans-Böckler-Platz in Köln Ehrenfeld, um gemeinsam nach Keyenberg zu radeln!

Die 50 km lange Route passiert zwei Kohlekraftwerke RWEs sowie den Aussichtspunkt an der nördlichen Kante des Tagebau Garzweilers. Dort wird es Zwischenkundgebungen, Musik und Austausch geben. Schließlich endet die Radtour in dem vom Abriss bedrohnten Dorf. Unter den Bedingungen der Corona-Hygienevorschriften halten wir RWE auf Abstand und demonstrieren so gegen die größte CO2-Quelle Europas und für eine klimagerechte Politik, vernetzen uns mit anderen, essen eine Kleinigkeit und sprechen uns für den Erhalt der Dörfer aus. 💚🌿🌞

Sei dabei, wenn wir unsere Solidarität mit allen Betroffenen in den Braunkohlerevieren zeigen. Ein lauter Klimaprotest auf dem Rad gegen Braunkohle, Zwangsumsiedlungen, Naturzerstörung! 🗣

Save the Date, erzähl es deinen Freund*innen und mach dein Fahrrad startklar – wir freuen uns auf Dich!

Hier geht es zur Facebook-Veranstaltung:https://www.facebook.com/events/1203563343375535/

Alle Dörfer bleiben – Hambi bleibt – wir machen weiter

Liebe Wald- und Naturschützer*innen, Pressevertreter*innen, Mitmenschen…  

wenn es noch eines Beweises für  bedurft hätte warum wir von NRWE sprechen…   Antwort eines Polizei-Einsatzleiters am Sonntagnachmittag auf die Frage, wie es denn sein könne, dass RWE gegen alle eigenen Ankündigungen lapidar und überraschend mitteilt, dass die L277 nun nicht ab Montagmorgen, 20. Juli, sondern  schon jetzt, am 19. Juli, komplett gesperrt werde:

„Hier bestimmt RWE die Spielregeln“

Normalität im Rheinland. NRWE, haben wir uns daran gewöhnt, nehmen wir das weiter hin? Nein, genau das tun wir nicht, wir müssen uns einem verantwortungslosen Konzern konsequent in den Weg stellen. Einem Konzern, der sich ein grünes Image verpassen will, der aber hier bei uns die Klimakatstrophe anheizt, der weiter Menschen aus ihrer angestammten Heimat vertreibt, einem Konzern, der auch noch Milliardenbeträge dafür kassiert, dass er die Lebensgrundlagen kommender Generationen für kurzfristige Profite vernichtet. Und die willigen Helfer in der Politik lassen sich von einem gierigen Konzern weitere unglaubliche „Entschädigungs“-Ansprüche in das Kohleverlängerungs-Gestz diktieren, ein weiter Schlag ins Gesicht einer wachsenden Klimabewegung.

Seit gestern, 20. Juli, wird die Landstraße 277, die letzte Barriere vor den Dörfern am Tagebau Garzweiler abgerissen. Immer wieder werden die Maschinen von mutigen Menschen aufgehalten, trotzdem geht die Zerstörung in erschreckender Geschwindigkeit weiter.

Doch die Menschen lassen sich nicht entmutigen, ganz im Gegenteil. Sie stellen sich gegen die Vertreibung, gegen die Vernichtung von Heimat, gegen den Raubbau an unserer Zukunft, gegen die Zerstörung der Schöpfung.

So war es am vergangenen Sonntag mit 800 Menschen, so war es am Montag, und so ist es auch heute, erneut sind mutigen Menschen auf der Straße und blockieren das Zerstörungswerk von NRWE.

Die Verantwortlichen von RWE und die Handlanger in der Politik haben die Rechnung ohne die Menschen gemacht. Wie vor zwei Jahren am Hambacher Wald entsteht gerade im Rheinland erneut eine große vielfältige Bewegung, die am Ende das Überleben der Dörfer am Tagebau Garzweiler, Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich, Berverath und Lützerath möglich machen wird.

„Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.“       Mahatma Gandhi

Aktuelle Informationen und Dokumentationen zu den Ereignissen der vergangenen Tage auf

https://www.facebook.com/AlleDoerferBleiben/

http://www.mutbuergerdokus.de/html/aktionen/2020_07_19_rwe-auf-abstand-halten-demo-auf-der-l277.htm

https://www.domradio.de/themen/sch%C3%B6pfung/2020-07-20/als-christ-muss-man-position-beziehen-buendnis-stellt-sich-gegen-abriss-bagger-am-tagebau-garzweiler

Wir sind gefordet, lasst uns die Menschen in den Dörfern unterstützen. NRWE hat die Rechnung ohne uns gemacht. Alle Dörfer bleiben!!!!

Nochmal zur Erinnerung, worum geht es eigentlich…?:

Tagesthemen vom 5. Juli   https://www.youtube.com/watch?v=VXnfs-_Y9GA

und Monitor vom 9. Juli   https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/kohleausstieg-144.html

das für den Moment,

wir sehen uns, bei den kommenden Wald- und Dorfspaziergängen,

Sonntag, 16. August, Hambacher Wald

Sonntag, 13. September, Keyenberg, Dörfer am Tagebau Garzweiler

…es werden in den kommenden Tagen und Wochen viele Termine ud Informationen dazu kommen, wir halten Sie/Euch auf dem Laufenden, unter anderem auf www.naturfuehrung.com

bis bald, auf der L277, im Wald, in den Dörfern, auf den Straßen oder vor den Baggern,

die Menschen in den Dörfern, Eva Töller, Michael Zobel, Antje Grothus, Todde Kemmerich, und viele Unterstützer*innen

Michael Zobel

Naturführer und Waldpädagoge

www.naturfuehrung.com

info@zobel-natur.de

Szenarien aus der Klimaforschung können Risikobewertung von Zentralbanken dienen

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

24.06.2020

Stabilität ist das Kernziel von Zentralbanken. Um die Risiken aus der Destabilisierung des Klimas abzuschätzen, planen die großen Zentralbanken und Aufsichtsbehörden, Klimaszenarien zu verwenden, die von einem Forscherteam unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung entwickelt wurden. Diese Szenarien werden in die Klimastresstests einfließen, die Zentralbanken wie die Bundesbank, die Bank of England oder die Banque de France für die von ihnen regulierten Finanzinstitute durchführen wollen. Die Arbeit wurde vom „Network of Central Banks and Supervisors for Greening the Financial System“ (NGFS) in Auftrag gegeben, einer Gruppe von 66 Zentralbanken und Aufsichtsbehörden rund um den Globus, die das Ziel hat, ein Klima-Risikomanagement im Finanzsektor zu entwickeln.

„Klimabedingte Risiken sind für die Weltwirtschaft sehr real“, erklärt Elmar Kriegler, leitender Koordinator des Projekts am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Einerseits werden die physischen Auswirkungen von Klima- und Wetterereignissen erheblich sein – wie etwa bei Überschwemmungen oder Dürren. Andererseits ergeben sich aus der erforderlichen Transformation zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft viele Chancen, aber auch Risiken für die Finanzmärkte, wenn sie den Klimaschutz nicht vorausschauend berücksichtigen. Wie genau und unter welchen Bedingungen solche Risiken auftreten können, das sollen unsere Szenarien veranschaulichen und erforschen helfen.“

Szenarien als wichtiges Instrument zur Risikoreduktion

Diese Informationen sind entscheidend für die Beurteilung wirtschaftlicher und finanzieller Risiken. „Als Zentralbanken und Aufsichtsbehörden ist es unsere Aufgabe, die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wirtschaft und das Finanzsystem in einer Vielzahl möglicher Zukunftsszenarien zu verstehen“, erläutert Sarah Breeden, Exekutivdirektorin der UK Deposit Takers Supervision bei der Bank of England und Vorsitzende des Arbeitsstrangs des NGFS zum – so nennen es die Fachleute – ‚makro-finanziellen‘ Einfluss des Klimawandels. „Deshalb freue ich mich sehr, dass der NGFS heute diese Szenarien veröffentlicht. Sie sind eine wichtige Ergänzung unseres analytischen Werkzeugkastens. Indem wir dabei helfen, die Maßnahmen zu identifizieren, die wir jetzt ergreifen können, um zukünftige Kosten und Risiken zu reduzieren, können wir wirklich etwas bewirken.“

In seinem ersten umfassenden Bericht vom April 2019 gab der NGFS sechs Empfehlungen dazu ab, wie Zentralbanken und politische Entscheidungsträger sicherstellen können, dass das Finanzsystem gegenüber klimabedingten Risiken widerstandsfähig ist. Eine dieser Empfehlungen bestand darin, Szenarien als gemeinsamen Ausgangspunkt für die Analyse von Klimarisiken für die Wirtschaft und das Finanzsystem zu entwickeln.

Die erste Runde der Szenarien ist jetzt veröffentlicht worden. Eine zweite wird um den Jahreswechsel folgen. Die Forschung wird vom PIK in enger Zusammenarbeit mit dem NGFS koordiniert. Weitere Partner sind das International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), Climate Analytics, die University of Maryland in den USA und die ETH Zürich.

Klimaforscher und Zentralbanker lernen voneinander

„Um den Finanzspezialisten die Arbeit mit den Szenarien zu erleichtern, verwenden wir den ‚Scenario Explorer‘ des IIASA“, erklärte Bas van Ruijven, Senior Research Scholar bei IIASA. „Über diese Website können die Benutzer ihre eigenen Grafiken und Arbeitsbereiche zu allen Aspekten dieser Übergangsszenarien erstellen, etwa zur makroökonomischen Entwicklung, zu Veränderungen im Energieverbrauch oder zur Nutzung von Energieressourcen. Die Benutzer können auch den gesamten Datensatz oder nur die Teile der Daten herunterladen, mit denen sie arbeiten möchten.“

„Wissenschaftsbasierte Informationen sind essentiell für eine fundierte Entscheidungsfindung. Im Verlauf des Projekts haben Klimaforscher und Zentralbankern viel voneinander gelernt“, so Elmar Kriegler. „Es war spannend zu sehen, dass die Szenarien zum Klimawandel für die Finanzregulatoren genauso wertvoll waren wie zuvor für die Klimapolitiker.“

Mehr Information zu den NGFS Szenarien und dem dazugehörigen Guide findet sich hier: https://www.ngfs.net/en/liste-chronologique/ngfs-publications

Die Datenbank wird hier verfügbar sein: https://www.ngfs.net/ngfs-climate-scenarios

Der erste umfassende NGFS Report (2019) mit allen sechs Empfehlungen findet sich hier: https://www.banque-france.fr/sites/default/files/media/2019/04/17/ngfs_first_comprehensive_report_-_17042019_0.pdf

+++Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
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Wer wir sind: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist eines der weltweit führenden Institute in der Forschung zu globalem Wandel, Klimawirkung und nachhaltiger Entwicklung. Natur- und Sozialwissenschaftler erarbeiten hier interdisziplinäre Einsichten, welche wiederum eine robuste Grundlage für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft darstellen. Das PIK ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

UN-Klimaziele sind ökonomisch sinnvoll: Ambitionierter Klimaschutz zahlt sich aus

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

13.07.2020

Klimaschutz ist nicht billig – aber Klimaschäden sind es auch nicht. Wie viel Klimaschutz ist also wirtschaftlich gesehen am sinnvollsten? Diese Frage hat Ökonomen jahrzehntelang beschäftigt, insbesondere seit dem Wirtschaftsnobelpreis 2018 für William Nordhaus, dessen Berechnungen nach eine Erwärmung um 3,5 Grad bis 2100 ein ökonomisch wünschenswertes Ergebnis sei. Ein internationales Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hat nun die Computersimulation, die diesen Schluss gezogen hat, mit den neuesten Daten und Erkenntnissen aus Klima- und Wirtschaftswissenschaften aktualisiert. Sie stellten fest, dass die Begrenzung der Erderwärmung auf unter 2 Grad ein wirtschaftlich optimales Gleichgewicht zwischen künftigen Klimaschäden und den heutigen Kosten für den Klimaschutz herstellt. Das würde einen CO2-Preis von mehr als 100 US-Dollar pro Tonne erfordern.

Jener Tag, an dem der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) im Auftrag der UNO seinen so genannten 1,5-Grad-Bericht veröffentlichte, war auch der Tag, an dem William Nordhaus den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften „für die Integration des Klimawandels in die langfristige makroökonomische Analyse“ erhielt. Konkret gelang ihm das mittels einer Computersimulation, seinem sehr einflussreichen Dynamic Integrated Climate-Economy (DICE)-Modell. Im Pariser Abkommen der UNO wurde vereinbart, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen, um Klimarisiken einzudämmen. Nordhaus‘ Zahlen deuten auf 3,5 Grad als eine gleichsam wirtschaftlich optimale Erwärmung bis zum Jahr 2100 hin. Die jetzt in der wissenschaftlichen Zeitschrift Nature Climate Change veröffentlichte Studie bietet eine Aktualisierung des DICE-Modells, welche helfen kann, die Perspektiven in Einklang zu bringen.

„Im Wesentlichen haben wir das Nordhaus-Modell aufgeschnürt, gründlich überprüft und einige wichtige Aktualisierungen vorgenommen, die auf den neuesten Erkenntnissen der Klimawissenschaft und Wirtschaftsanalyse basieren“, erklärt Martin Hänsel, Hauptautor der Studie und Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Wir haben festgestellt, dass die Ergebnisse der aktualisierten Version tatsächlich in guter Übereinstimmung mit der Pariser 2°C-Grenze für die globale Erwärmung stehen.“

Die Aktualisierungen umfassen ein akkurateres Kohlenstoffkreislaufmodell, eine neue Gewichtung des Temperaturmodells, eine angepasste Schadensfunktion, und neue Erkenntnisse über die normativen Annahmen des Modells. Diese zeigen sich konkret bei der Frage, wie eine gerechte Verteilung von Wohlstand zwischen heutigen und zukünftigen Generationen gestaltet werden sollte, die den Klimawandel berücksichtigt – ausgedrückt in der so genannten sozialen Diskont-Rate. Deren Aktualisierung basiert nun auf einer breiten Palette von Expertenempfehlungen zur Generationengerechtigkeit. Ergänzt wird dies durch angepasste Annahmen in Bezug auf die Emissionen von anderen Treibhausgasen zusätzlich zum CO2, Technologien zu negativen Emissionen (also dem Herausholen von CO2 aus der Atmosphäre), und wie zügig eine Abkehr von einer kohlenstoffbasierten Wirtschaft erreicht werden kann.

Wie schlimm wird es? Die Schadensfunktion

Die Schadensfunktion beurteilt, wie stark sich künftige Klimaveränderungen auf die Weltwirtschaft auswirken werden. Ko-Autor Thomas Sterner, Professor an der Universität Göteborg, erklärt: „Die standardmäßige Schadensfunktion im DICE-Modell hat eine Reihe von methodischen Mängeln. Unsere Analyse baut auf einer kürzlich durchgeführten Meta-Analyse auf, in der wir diese Mängel beheben. Infolgedessen finden wir höhere Schäden als im Standard-DICE-Modell. Allein nach dem, was wir in den letzten zehn Jahren gesehen haben, ist die Annahme hoher klimabedingter wirtschaftlicher Schäden leider realistisch.“

Wie viel zählt es? Die soziale Diskontrate

Darüber hinaus schaut die Studie auch auf das, was manchmal als die normative „Black Box“ wahrgenommen wird: Wie oft in der Wirtschaftswissenschaft enthält das, was wie eine nüchterne mathematische Funktion aussieht, eine Reihe normativer Annahmen. Die so genannte „soziale Diskont-Rate“ ist ein solcher Fall. Sie gibt an, wie wir das zukünftige Wohlergehen unserer Kinder und Enkelkinder bewerten – eine grundlegend moralische Frage. „Die Klimaauswirkungen unserer Emissionen reichen weit in zukünftige Generationen hinein. Um diese langfristigen Folgen angemessen bewerten zu können, müssen wir unterschiedliche Ansichten darüber berücksichtigen, wie wir einen Ausgleich zwischen den Interessen heutiger und zukünftiger Generationen schaffen können“, erklärt Moritz Drupp, Ko-Autor und Professor am Exzellenzcluster Klima, Klimawandel und Gesellschaft (CLICCS) der Universität Hamburg. Erstmals enthält die Studie eine repräsentative Auswahl von Empfehlungen von mehr als 170 Expertinnen und Experten zu den normativen Annahmen der sozialen Diskontrate. „Unser aktualisiertes Modell zeigt, dass das 2-Grad-Ziel nach den von der Mehrheit der Experten vorgeschlagenen sozialen Diskont-Raten ökonomisch optimal ist.“

Der richtige Preis für CO2

Die Änderungen am Modell, insbesondere die Neubewertung der sozialen Diskontrate zugunsten des Wohlergehens künftiger Generationen, haben weitere Auswirkungen: Sie führen zu einem höheren Preis für CO2. Während das Standard DICE-Modell von Nordhaus knapp 40 US-Dollar pro Tonne CO2 im Jahr 2020 ergibt, errechnet das aktualisierte DICE-Modell einen CO2-Preis von über 100 Dollar. Die CO2-Preise, die sich aus der Mehrheit der Expertenmeinungen zur sozialen Diskontierung ergeben, sind mit wenigen Ausnahmen höher als das, was in den meisten Sektoren selbst in den ehrgeizigsten Regionen der Welt umgesetzt wird. „Das ist ein weiterer Beleg dafür, welch ein entscheidendes politisches Instrument eine intelligente CO2-Preisgestaltung ist“, so die Schlussfolgerung von Ko-Autor Ben Groom, Professor an der Universität Exeter und Mitglied des Grantham Research Institute on Climate Change an der London School of Economics. „Unsere Studie bedeutet damit auch, dass eine ehrgeizigere Klimapolitik nötig ist, um zu vermeiden, dass wir unseren Kindern eine ungerechtfertigt hohe Last der Klimaauswirkungen hinterlassen.“

Artikel: Martin C. Hänsel, Moritz A. Drupp, Daniel J.A. Johansson, Frikk Nesje, Christian Azar, Mark C. Freeman, Ben Groom, Thomas Sterner: „Climate economics support for the UN Climate targets“. Nature Climate Change (2020). DOI: [10.1038/s41558-020-0833-x]

Weblink zum Artikel: https://www.nature.com/articles/s41558-020-0833-x

Weitere Forschung zu dem Thema:

  • Moritz A. Drupp, Mark C. Freeman, Ben Groom, and Frikk Nesje: Discounting Disentangled. American Economic Journal: Economic Policy 2018, 10(4): 109–134, Volltext hier.
  • Peter Howard, and Thomas Sterner: Few and Not So Far Between: A Meta-analysis of Climate Damage Estimates“. Environmental and Resource Economics, 2017, 68: 197-225.

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
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E-Mail: presse@pik-potsdam.de
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Wer wir sind: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist eines der weltweit führenden Institute in der Forschung zu globalem Wandel, Klimawirkung und nachhaltiger Entwicklung. Natur- und Sozialwissenschaftler erarbeiten hier interdisziplinäre Einsichten, welche wiederum eine robuste Grundlage für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft darstellen. Das PIK ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Sie erhalten diese Mail, weil Sie sich in den Presseverteiler des PIK haben eintragen lassen. Darüber freuen wir uns. Wenn Sie keine Zusendungen von uns mehr erhalten möchten, so genügt ein formloser Hinweis per Mail an presse@pik-potsdam.de – wir werden dann Ihre bei uns gespeicherten persönlichen Daten umgehend löschen.

Tag X – Alle Dörfer bleiben – Demonstration am 19. Juli – Gemeinsam halten wir RWE auf Abstand!

Liebe Wald- und Naturschützer*innen, Pressevertreter*innen, Mitmenschen…  

vor zwei Jahren haben wir im und am Hambacher Wald einen großen Erfolg errungen. Wir alle gemeinsam. Jetzt sind wir erneut gefordert, es geht um das Überleben der Dörfer am Tagebau Garzweiler, es geht um Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich, Berverath und Lützerath.

RWE Power – 13.07.2020
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben die Vorbereitungen zum Rückbau der ehem. L 277 zwischen Lützerath und Keyenberg abgeschlossen und beabsichtigen einen Rückbaubeginn ab 20.07.2020. Die endgültige Sperrung wird ab ca. 5 Uhr eingerichtet. Unsere Presseabteilung wird die lokalen Medien über den anstehenden Rückbau informieren.

Das ist für AlleDörferBleiben der Tag X.

Auf https://www.alle-doerfer-bleiben.de/

gibt es folgenden Aufruf:

Kämpft mit uns um die L277!

Kommt am Sonntag, 19.7. um 12.30 Uhr zu unserer Demo nach Keyenberg! Der Kohlekonzern RWE will am 20.7. die Landstraße 277 sperren und dann abreißen. Wir werden sie zusammen mit Leben füllen und darum kämpfen, sie zu erhalten. Denn sie ist das einzige, was die Dörfer am Tagebau Garzweiler II noch von den Baggern trennt.

Bitte verbreitet das Video und kommt am 19.7. zu unserer Aktion. Gemeinsam halten wir RWE auf Abstand!

Haltet euch auf dem Laufenden unter https://www.alle-doerfer-bleiben.de/

Seit gestern ist dieses Video im Netz

und weiter:

Wir laden euch hiermit herzlich  am Sonntag den 19.07. nach Keyenberg zur Demo ein. Wir wollen zeigen, dass wir RWE nicht kampflos das Feld bzw die Straße überlassen.

Wir wollen als gelber Demozug gemeinsam zu Fuß, mit Rädern oder auch in der Pferdekutschen nach Lützerath ziehen. 
Los gehen soll es  um 12:30 mit einer Auftaktkundgebung an der Kreuzung Keyenberg/ Wanlo und gg  15:00 ist die Schlusskundgebung in/ bei Lützerath geplant. 

Wir wissen, das ist mega kurzfristig, aber auf Grund der Ereignisse die diese Woche angekündigt wurden auch dringend notwendig. Also hoffen wir, dass ihr zahlreich dabei seid und alle mitbringt, die ihr kennt.

Jetzt sind wir gefordet, lasst uns die Menschen in den Dörfern unterstützen. NRWE hat die Rechnung ohne uns gemacht. Alle Dörfer bleiben!!!!

Worum es geht, dazu auch dies:

Tagesthemen vom 5. Juli

und Monitor vom 9. Juli

https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/kohleausstieg-144.html

das für den Moment,

bis Sonntag oder in den Tagen danach auf der L277, im Wald, in den Dörfern, auf den Straßen,

die Menschen in den Dörfern, Eva Töller, Michael Zobel, Antje Grothus, Todde Kemmerich, und viele Unterstützer*innen

ps: bitte vormerken, am Montag, 20. September, taz, es wird einen großen Artikel zum Thema Polizeigewalt am Hambacher Wald und die skandalösen vermeintlichen Ermittlungen geben… der Bericht wird hoffentlich nicht folgenlos bleiben

Michael Zobel

Naturführer und Waldpädagoge

www.naturfuehrung.com

Klima-Szenarien nutzbar machen: Online-Plattform für Entscheider startet

Pressemitteilung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung

03.06.2020

PIK Potsdam

Damit Klimaszenarien für Entscheider nutzbar werden, hat ein internationales Forscherteam eine umfassende interaktive Online-Plattform entwickelt. Sie ist die erste ihrer Art, die Werkzeuge zur Nutzung dieser Szenarien – von Klimafolgen bis hin zur Klimastabilisierung – einer breiteren Öffentlichkeit jenseits der Wissenschaft zur Verfügung stellt. Die Szenarien helfen Entscheidern in Politik und Unternehmen, Finanzmärkten und Gesellschaft, die Bedrohung durch die globale Erwärmung und Möglichkeiten zu ihrer Begrenzung besser einzuschätzen.

„Klimaszenarien sind mächtige Werkzeuge, die es uns ermöglichen, mögliche Zukünfte zu erforschen und zu untersuchen, wie diese durch unser gemeinsames Handeln verändert werden – deshalb wollen wir alle Arten von Entscheidern in die Lage versetzen, die Szenarien auch tatsächlich selbst zu nutzen“, sagt Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der das SENSES-Konsortium leitet, welches die Online-Plattform gemeinsam entwickelt hat. „Die Wissenschaft verwendet seit vielen Jahren Klimaszenarien auf der Grundlage von Computersimulationen, doch die sind zugegebenermaßen eine etwas komplizierte Sache, und die Ergebnisse der Analysen sind in allzu vielen wissenschaftlichen Publikationen verstreut. Wir wollen nun einen neuen Weg des Zugangs zu diesen Szenarien anbieten – damit die Menschen selbst sehen können, was bei der Klimastabilisierung auf dem Spiel steht, und ihre Entscheidungen auf die besten verfügbaren Informationen stützen können.“

Von 2°C bis zum Kohleausstieg, von Sonnenenergie bis Biomasse: jede Menge Möglichkeiten

Ein Finanzexperte, der zum Beispiel das Risiko von verlorenen Investitionen in fossile Industrien bewerten möchte, könnte sich dafür interessieren, wie schnell die globalen Treibhausgasemissionen reduziert werden müssen, um die Erwärmung unter der international vereinbarten Grenze von 1,5-2°C zu halten. Der Benutzer kann sich das Lernmodul zur „Emissionslücke“ auf der SENSES-Plattform ansehen, das grundlegende Informationen sowie Grafiken und Weblinks zur Literatur enthält.

Für mehr Einzelheiten kann der Benutzer ein, wie die Forscher es nennen, „Guided Exploration Module“ (GEM) nutzen. „Die GEMs bieten gleichsam eine weiche Landung in den harten Daten und ermöglichen es den Benutzern, selbst Szenarien zu analysieren“, erklärt die Projektkoordinatorin Cornelia Auer, ebenfalls vom PIK. „Sie können robuste Trends verstehen, wie etwa den Ausstieg aus der Kohle oder die Umstellung der Stromerzeugung auf klimaneutrale Technologien, aber auch Variationen in den Szenarien, wie zum Beispiel die Entscheidung für unterschiedliche Technologien – etwa das Herausholen von CO2 aus der Atmosphäre.“

Für diejenigen, die noch tiefer einsteigen möchten, gibt es einen „Scenario Finder“. Benutzer können durch eine große Anzahl von Szenarien blättern, die sie nach ihren eigenen Annahmen über die Zukunft filtern können. Diejenigen, die der Auffassung sind, dass die Entfernung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre in der Zukunft wahrscheinlich nicht funktionieren wird, können Szenarien mit einer geringeren Menge an Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (BECCS) aussortieren. Und diejenigen, die einen niedrigen Energieverbrauch und ein Szenario weit unter 2°C wünschen, können nach diesen Merkmalen filtern.

„Abschätzung potenzieller Risiken für das Finanzsystem“

Philipp Haenle, Ökonom in der Abteilung Finanzstabilität der Deutschen Bundesbank, kommentiert: „Klima-Risiken für die Finanzmärkte erhalten immer mehr Aufmerksamkeit. Klimaszenarien können helfen, diese Risiken besser zu verstehen. Für einen Finanz-Ökonomen ist es jedoch eine sehr komplexe Aufgabe, sich mit den von Naturwissenschaftlern entworfenen Szenarien vertraut zu machen und sie für Finanzanalysen zu nutzen. SENSES ist daher ein sehr zukunftsträchtiges Werkzeug, da es helfen kann, die zugrundeliegenden Klimaszenarien zu verstehen und sie für die Beurteilung möglicher Risiken für das Finanzsystem zu nutzen. Die Plattform bietet dabei auch Unterstützung für die Entscheidung, welche Szenarien für spezifische Fragestellungen am besten geeignet sind.“ Haenle war am Co-Design der SENSES-Plattform durch Wissenschaft und Entscheider aus anderen Bereichen beteiligt (die Stellungnahme stellt eine persönliche Meinung dar und gibt nicht unbedingt die Ansichten der Deutschen Bundesbank oder ihrer Mitarbeiter wieder).

Die Plattform ist für die Nutzung durch Entscheider und Experten konzipiert, ist aber für alle Interessierten frei zugänglich. „Es geht hier wirklich um offene Wissenschaft“, sagt Kriegler. „Lösungen zur Bewältigung der Klimaproblematik zu finden, ist etwas, das wir nur gemeinsam tun können. Es ist ein Prozess, der viele verschiedene Stimmen und Perspektiven einbeziehen muss. Ein wichtiges Element dabei ist, dass Akteure in die Lage versetzt werden, Klimaszenarien aus der Wissenschaft zu nutzen.“ Es ist eine neue Form von Klima-Services.

„Wir bieten den Nutzern eine Menge Wenn-Dann. Das mag ein bisschen mühsam erscheinen, aber es ist das, was wir für notwendig halten“, so Kriegler abschließend. „Die Grundidee von Klimaszenarien ist, dass es mehr als ein Ziel gibt, und dass es viele Wege zu diesen Zielen gibt. Die Wahl zwischen den Optionen hängt von den Präferenzen ab. Doch Entscheidungen sind nicht willkürlich, man muss sich der Konsequenzen bewusst sein. Wissenschaftlich fundierte Szenarien liefern diese Art relevanter Informationen über die Risiken.“

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Das SENSES-Projekt (climate change ScENario ServicES) ist Teil des offiziellen Europäischen Forschungsraums für Klimadienstleistungen, der von nationalen Ministerien und der EU unterstützt wird. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt des PIK, der Fachhochschule Potsdam, des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA), der Universität Wageningen (WUR) und des Umweltinstituts Stockholm (SEI):

Volker Krey, Vize-Direktor des Energieprogramms am Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA), ein Hauptpartner des Projekts: „Das SENSES-Projekt war eine neue Erfahrung für uns und hat die Kommunikation von Erkenntnissen aus der Szenarienforschung zum Klimawandel und die Bereitstellung damit verbundener Dienstleistungen auf eine neue Ebene gehoben. Das Konsortium vereint ein breites Spektrum an Fachwissen von der Klimawandelforschung bis hin zu partizipativen Prozessen und Design, was ein Schlüsselelement für die Entwicklung des SENSES-Toolkits war. Am IIASA konzentrierten wir uns darauf, wissenschaftliche Erkenntnisse über die Eindämmung des Klimawandels und den Datenzugang über die Infrastruktur des Scenario Explorers bereit zu stellen.“

Boris Müller vom Urban Complexity Lab der Fachhochschule Potsdam, ein weiterer wichtiger Partner: „Während des gesamten SENSES-Projekts haben wir eng mit Interessenvertretern aus Politik, Wirtschaft oder Finanzwelt zusammengearbeitet – wir haben eine Reihe von Co-Design-Workshops durchgeführt, die uns geholfen haben, die Nachfrage nach Klimawandel-Szenarien in den jeweiligen Bereichen zu verstehen. Dieser Prozess hat es uns ermöglicht, ein modulares und nutzerzentriertes Designkonzept für das SENSES-Toolkit zu erstellen. Die Verwendung von Datenvisualisierungen, die abstrakte Datensätze in aufschlussreiche Bilder verwandeln, ist eine wesentlicher Ansatz, um den Anforderungen unserer Stakeholder gerecht zu werden.“

Henrik Carlsen, Senior Research Fellow, Stockholm Environment Institute (SEI), ein Hauptpartner von SENSES: „Szenarien des Klimawandels können auf verschiedenen geographischen Ebenen – global, regional und lokal – als entscheidungsunterstützende Instrumente eingesetzt werden. Je weiter man die Ebene hinuntergeht, desto mehr rücken Klimafolgen und Anpassung in den Mittelpunkt. Der Hauptbeitrag des SEI zum SENSES-Projekt bestand darin, Wissen und Kapazitäten aufzubauen, wie solche regionalen und lokalen Szenarien zusammen mit Interessenvertretern in partizipativen Prozessen konstruiert werden können. Wir haben uns darauf konzentriert, Szenarien über geografische Skalen hinweg zu verknüpfen, so dass regionale und lokale Prozesse globale Szenarien als ‚Randbedingungen‘ plausibler Zukünfte nutzen können, sowohl im Hinblick auf den Klimawandel, aber ebenso auch im Hinblick auf den sozioökonomischen Wandel.“

Kasper Kok, Simona Pedde und Lotte de Jong von der Universität Wageningen, wichtige Partner des Projekts: „Wir haben eng mit Interessenvertretern der Overijsselse Vecht mit Interviews und interaktiven Workshops zusammengearbeitet, um ihr Wissen und ihre Bedarfe mit wissenschaftlichen Erkenntnissen aus globalen Szenarien und Techniken zur Visualisierung von Szenarien zu verknüpfen. Unsere regionale Expertise im Konsortium ergänzt die globalen Szenarioteams. Zusammen mit dem SEI haben wir eine innovative Art und Weise zur Übersetzung globaler Klimaszenarien für regionale Nutzer entwickelt, zu denen regionale politische Entscheidungsträger, Wasserbehörden, Landschaftsplaner mit Anpassungsstrategien gehörten. Aspekte, mit denen wir uns beschäftigt haben: Wie können wir mit szenarioabhängigen Ereignissen mit hohen Auswirkungen, so genannten „Wildcards“, umgehen? Wie können Minderungsszenarien kurz- und langfristig in lokale Anpassungspläne einfließen? Die wichtigsten Bestandteile sind Produkte in Form einer Datenbank sowie Leitlinien zur Entwicklung von Szenarien für ein breites Spektrum von politischen Entscheidern, Planern, Wissenschaftlern und anderen Praktikern, die an der Entwicklung und Nutzung von Szenarien interessiert sind.“

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Weblink zur SENSES-Plattform: https://www.climatescenarios.org/

Weblink zur Website des SENSES-Projekts: http://senses-project.org/

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Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Jonas Viering
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10. Mai 2020, 6 Jahre Wald statt Kohle, 6 Jahre Sonntagsspaziergang, 6 Mahnwachen am Hambacher Wald

HambiBleibt

Liebe Wald- und Naturschützer*innen, Pressevertreter*innen, Mitmenschen…

 

Sonntag, 10. Mai 2020, Muttertag, Wald statt Kohle, 73 Monate Sonntagsspaziergang im und am Hambacher Wald – das Jubiläum…   natürlich corona-kompatibel

 

kein klassischer Spaziergang, stattdessen sechs(!) Mahnwachen…

 

einmal 80, fünfmal 20 Teilnehmer*innen sind zugelassen!

 

Nach dutzenden von Telefonaten mit den unterschiedlichen Akteuren und den diversen Behörden steht jetzt fest:

 

Wir werden da sein, wir werden sicht- und hörbar sein.

 

Corona geht irgendwann vorbei, die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen, die Vertreibung von Menschen, das Ausradiern von Heimat, der dramatische Klimawandel und die Lügen der Konzerne und vieler Entscheider gehen unvermindert weiter.

 

Deshalb gilt: Wir machen weiter, es ist nötiger denn je.

 

Die Bagger stehen vor dem Hambi, es wird um den Wald herum gebaggert, sie stehen vor Keyenberg, vernichten gerade aktuell Lützrath, es werden weiterhin unumkehrbare Tatsachen geschaffen, obwohl Kraftwerke und Wirtschaft heruntergefahren sind und eine neue Leitentscheidung angekündigt ist.

 

Wegen der aktuellen Lage ist ein „normaler“ Waldspaziergang nicht möglich.

 

Deshalb: Sonntag, 10. Mai 2020, 6 Jahre Waldspaziergang, Jubiläum am Muttertag für Mutter Erde, Wald und Dörfer bleiben – RWE auf Abstand halten, 6 Mahnwachen zum Schutz von Wald und Dörfern

 

Hinaus zum 10. Mai, hinaus zum Muttertag, natürlich corona-kompatibel…

 

Mahnwachenstandorte siehe Karte, Beginn vor Ort jeweils 12.00 Uhr

 

Auflagen:

 

– unverbindliche Auflage von uns – bitte in rot gekleidet kommen. Und rote Bänder, Krepppapier an Stöcken o. ä. mitbringen, sie sollen vor Ort bleiben…

 

– auch Zollstöcke können sehr hilfreich sein

 

– Teilnahme NUR mit Anmeldung, info@zobel-natur.de

 

– unbedingt an die Anweisungen unserer Ordnder*innen halten

 

– im Sinne der Corona-Schutzverordnung Mindestabstand von 1,50m auf dem Weg zu/von/an den Mahnwachen

 

– Mahnwache an der BUND-Wiese max. 80 Teilnehmer*innen

 

– andere Mahnwachen max. 20 Teilnehmer*innen

 

– damit rechnen, dass Anwesenheitslisten mit persönlichen Daten geführt werden müssen, bitte eigene Stifte mitbringen

 

– im Sinne kommender Aktionen und Demonstrationen bitte an die Anweisungen vor Ort halten

 

– es DÜRFEN Nasen- und Mundschutz getragen werden

 

– Parkmöglichkeiten in Morschenich und in Manheim, Ordner*innen werden vor Ort sein

 

– Flugblätter dürfen nicht verteilt werden, können aber von Besuchern mitgenommen werden

 

– sollten Auflagen nicht eingehalten werden, muss der jeweilige Versammlungsleiter die Versammlung abbrechen

 

– wir setzen auf gute Kooperation mit den Behörden und freuen uns auf einen ganz besonderen Muttertag

 

aktuelle Informationen zu Sonntag und mehr auf www.naturfuehrung.com

 

 

 

bis Sonntag,

 

Eva Töller, Michael Zobel, Antje Grothus, Todde Kemmerich und viele Unterstützer*innen

 

 

Michael Zobel

Naturführer und Waldpädagoge

www.naturfuehrung.com

info@zobel-natur.de

Lausitzer-Kohle-Rundbrief vom 04. Mai 2020 Brunicowy Rozglěd

Bundeskontaktstelle Braunkohle des Netzwerkes GRÜNE LIGA

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Rundbrief vom 4. Mai 2020

1. EPH-Gesellschaft soll Erneuerbare auf LEAG-Flächen entwickeln

2. „Qualifizierter Ausgabestop“ und keine Bonuszahlungen bei der LEAG

3. Die AfD steht mit der Sehnsucht nach dem Tagebau Welzow-Süd II alleine da

4. Tagebauflutung: Wasserspiegel im „Cottbuser Ostsee“ sinkt offenbar

5. In eigener Sache

Der Rundbrief als pdf

 

 

EPH-Gesellschaft soll Erneuerbare auf LEAG-Flächen entwickeln

Im LEAG-Mitarbeiternewsletter vom 27. April 2020 findet sich ein doppelt bemerkenswerter Artikel: Mehr oder weniger deutlich wird den Lausitzer Braunköhlern eine Bewerbung bei der 2019 gegründeten EP New Energies GmbH (EPNE) empfohlen. Unklar ist aber, ob sich die LEAG-Eigner mit dieser Firmengründung vor Tagebaufolgekosten drücken wollen.
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„Qualifizierter Ausgabestop“ und keine Bonuszahlungen bei der LEAG

Die schon seit Jahren immer strengeren Sparvorgaben beim Lausitzer Tagebaubetreiber erreichen in der Corona-Krise einen neuen Höhepunkt. Im Mitarbeiternewsletter der LEAG vom 27. April wurde ein „Qualifizierter Ausgabenstop“ bekanntgegeben.
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Die AfD steht mit der Sehnsucht nach dem Tagebau Welzow-Süd II alleine da

Die AfD-Fraktion beantragte im Brandenburger Landtag, die EU-Löschflugzeugstaffel nicht am Flugplatz Welzow, sondern an einem anderen Brandenburger Flugplatz einzurichten, um unter dem Welzower Flugplatz weiter Braunkohle abzubaggern. Politiker aller anderen Parteien distanzierten inzwischen sich von dem Antrag.
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Tagebauflutung: Wasserspiegel im „Cottbuser Ostsee“ sinkt offenbar

Cottbus, 27. April 2020. Seit Anfang April ist der Wasserstand im Cottbuser See offenbar gesunken. Die GRÜNE LIGA sieht große flache Tagebauseen als im Klimawandel nicht verantwortbar an. Während der Tagebaubetreiber LEAG am 1. April den Füllstand mit 41 % angegeben hatte, liegt er lauf der Internetseite des Unternehmens aktuell wieder bei 40 %, obwohl in der Zwischenzeit Grundwasser aus der Umgebung und ca. 100.000 Kubikmeter Spreewasser in den See geflossen sind.

„Große flache Tagebauseen sind mit der nötigen Anpassung an den Klimawandel unvereinbar. Sollte der Wasserspiegel in diesem April wirklich durch Verdunstung gesunken sein, wäre das dramatisch. Denn der geplante riesige Flachwasserbereich ist noch gar nicht entstanden. Er wird in Trockensommern ein Vielfaches an Wasser verdunsten als die bisher gefüllten Bereiche.“ erklärt René Schuster von der GRÜNEN LIGA.
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In eigener Sache

Aktuell stellen wir den Rundbrief und unsere Internetseite technisch etwas um. Der eine oder andere Text wurde bisher erst veröffentlicht, wenn der gesamte Rundbrief fertig war. Das ändert sich nun. Zudem haben wir die Menüführung auf der Homepage verändert. Für Texte aus der Anfangszeit des Widerstandes gegen neue Tagebaue haben wir ein „Archiv“ eingerichtet. Wir bitten um Verständnis, dass manche Inhalte erst im Laufe der nächsten Tage aktualisiert werden.

Postanschrift

Umweltgruppe Cottbus e.V.
Straße der Jugend 94, 03046 Cottbus

Telefon: +49 (0151) 14420487

Internet: www.kein-tagebau.de
E-Mail: umweltgruppe@kein-tagebau.de

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Verwendungszweck „Lausitzer Kohle“

Zukunft des Hambacher Waldes gefährdet

Pressemitteilung der Initiative Buirer für Buir vom 15. April 2020

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RWE-Revierkonzept und Kiesgruben bedrohen neben dem Wald die Lebensqualität in Buir und zerstören Strukturwandelpläne der Stadt Kerpen

Detaillierte Recherchen der Initiative Buirer für Buir zeigen, dass das Zusammenwirken der RWE-Planung mit vorhandenen, bereits genehmigten und geplanten Kiesgruben nördlich von Buir zu ei­ner prekären Lage des Hambacher Waldes führen und die Menschen in Buir massiv beeinträchtigen wird. Nach einer enttäuschenden Antwort auf das erste Schreiben von Anfang Februar ließ die Initia­tive in einem zweiten Brief dem zuständigen Minister Prof. Dr. Pinkwart neben einer Einladung nach Buir auch einen Forderungskatalog zukommen.

„Es ist empörend, wie mit den Menschen, die wegen der tagebaubedingten Verlegung der A4 und vieler weiterer Belastungen im Umfeld des Tagebaus bereits erhebliche Einbußen ihrer Lebensqua­lität hinnehmen mussten, umgegangen wird“, so Andreas Büttgen, Vorsitzender des Vereins. „Die RWE-Planung ist für sich alleine schon untragbar – dass quasi durch die Hintertüre mit den Kiesgru­ben aber fast vollständig der Raum zwischen Wald und Buir zerstört und uns statt Zukunftsperspek­tiven Lärm und Dreck ins Haus kommen, ist völlig inakzeptabel.“

Am 17. Januar hatte RWE-Chef Schmitz Journalisten die zukünftige Tagebauplanung vorgestellt. Daraufhin hatten die Aachener Nachrichten den Hambacher Wald als Insellage inmitten des Tage­baus skizziert. Nach einer deutlichen Kritik veröffentlichte der Wirtschaftsminister am 20. Januar 2020 eine Skizze, die dem Revierkonzept entspricht. Recherchen der Initiative belegen nun, dass die fast vollständige Insellage des Hambacher Waldes faktisch planerische Realität wird, wenn das Revierkonzept und die Kiesgrubenplanungen umgesetzt werden.


Quellenverzeichnis der markierten Flächen 1-5

1       „Information der RWE Power AG an die NRW-Landesregierung über die Anpassung der Planungen für das Rheinische Revier“ https://www.group.rwe/unser-portfolio-leistungen/rohstoffe-energietraeger/braunkohle/neues-revierkonzept 
2+3  Regionalplan Köln, Teilplan Nichtenergetische Rohstoffe (Lockergesteine). Erster Planentwurf, Januar 2020, Karte2_Blatt2_BM-DNost-Kwest https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/leistungen/abteilung03/32/regionalplanung/ueberarbeitung/teilplan_nichtenergetische_rohstoffe/erster_planentwurf_2020/index.html
4     Regionalplan Köln, Teilplan Nichtenergetische Rohstoffe (Lockergesteine). Erster Planentwurf, Januar 2020, Anhang E1: Prüfbogen_Abgrabungs-interessen, Bezeichnung: 109-BM-0 https://www.bezregkoeln.nrw.de/brk_internet/leistungen/abteilung03/32/regionalplanung/ueberarbeitung/teilplan_nichtenergetische_rohstoffe/erster_planentwurf_2020/index.html
5    Regionalplan Köln, Teilplan Nichtenergetische Rohstoffe (Lockergesteine). Erster Planentwurf, Januar 2020, Anhang E2-Prüfbogen_Suchräume, Bezeichnung: S-39-KKS-1 https://www.bezreg-koeln.nrw.de/brk_internet/leistungen/abteilung03/32/regionalplanung/ueberarbeitung/teilplan_nichtenergetische_rohstoffe/erster_planentwurf_2020/index.html

Nach Auskunft der Be­zirksregierung Arnsberg betrifft die mit ⑤ gekennzeichnete Fläche zwar ein Abgrabungsinteresse aus dem Jahr 2002, das nicht mehr weiterverfolgt worden sei. Es stellt sich allerdings die Frage, warum es in den Unterlagen der Bezirksregierung Köln noch immer verzeichnet ist und ob eventuell vorgesehen ist, die Planungen wieder aufzunehmen.

Die Initiative bittet Minister Pinkwart ausdrücklich, zeitnah die Belange der Menschen in Buir zu berücksichtigen – idealerweise in einem gemeinsamen Gespräch in Buir mit Bezug zur räumlichen Herausforderung.

„Wir erwarten, dass die Landesregierung die Sorgen und Nöte der Anwohner ernst nimmt und sich jetzt vor Ort für die verheerenden Folgen der RWE-Planung interessiert und diese nicht 1:1 als Grundlage der neuen Leitentscheidung übernimmt“ so Büttgen weiter. Auch der Rhein-Erft Kreis und Kerpen seien gefordert, ergänzt Antje Grothus: „Die Stadt und Kreis müssen sich jetzt für die Lebensqualität im jahrelang vernachlässigten Ortsteil Buir einsetzen und die flächenvernichtende RWE Revierplanung, die Potentialflächen für einen nachhaltigen Strukturwandel in Kerpen zerstören würde, zurückweisen“. Unter Berufung auf einen Artikel in der Fachzeitschrift „Bergbau“ (Heft 9, 2018, S. 392f.) weist die Initiative Behauptungen des Tagebaubetreibers, die Abgrabung von erheblichen Gesteinsmassen im Raum Manheim auf einer Fläche so groß wie 560 Fußballfelder sei notwendig, um die Böschungen im Tagebau Hambach zu stabilisieren, als unhaltbar zurück.

zum Brief an Minister Pinkwart