KOMMT ZUM KLIMACAMP IM RHEINLAND!

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Samstag ist es so weit, das Klimacamp im Rheinland beginnt!

Vom 11.-22. August wollen wir mit Euch reflektieren, strategieren und gute Beziehungen zu den Nachbar*innen aufbauen. Und ein wunderschönes Camp gestalten!

Eure Anreise könnt Ihr nach Erkelenz planen, den genauen Ort werden wir voraussichtlich am Mittwoch bekannt geben. Hier gibt’s ’ne Packliste, dass Ihr nix vergesst!

Das Programm steht im Zeichen der Solidarität mit dem lokalen Widerstand, von Reflektion und Strategiefindung für die Klimagerechtigkeitsbewegung. Es bietet zahlreiche Veranstaltungen und viel Platz für Open Space. Ein paar Highlights:

  • Diskussion mit Anwohner*innen aus dem bedrohten Keyenberg und Vertreter der IG BCE am Montag (13. August)
  • Markt der Möglichkeiten am Dienstag (14. August)
  • Konferenz „Structures for Change“ von Mittwoch bis Freitag (15.-17. August)
  • Strategiekonferenz der (deutschsprachigen) Klimagerechtigkeitsbewegung von Freitag bis Sonntag (17.-19. August)
  • Außerdem viel Kultur: Von Filmvorführungen über Konzerte, Akrobatik, Kabarett bis zu großartigen Partys ist mal wieder so einiges geplant, um eure denk- und aktionsmüden Geister zu entlasten!

Es gibt natürlich Kinderbetreuung.

Und noch eine große Herausforderung: Um das diesjährige Klimacamp im Rheinland zu finanzieren, brauchen wir dringend Unterstützung. Es stehen noch einige Ausgaben für Technik, Wasserversorgung, die Küche oder Zelte an – dafür sind wir auf Spenden angewiesen. Helft uns, diesen Aufruf in Eurem Bekanntenkreis, der Familie oder eurer engagierten Nachbarschaft zu verbreiten.

Wir freuen uns auf Euch!
Eure Orga-Crew des Klimacamps im Rheinland

 

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KOHLE GEGEN BRAUNKOHLE

Das Klimacamp 2018 findet vom 11. bis 22. August zum neunten Mal im Rheinland statt. Seit neun Jahren ist das Klimacamp im Rheinland ein Ort, der Mut macht für Klimaschutz und eine gerechte Zukunft zu streiten. Und das ausgerechnet im Rheinischen Braunkohlerevier, wo der Klimawandel durch dreckigen Kohlestrom befeuert, Menschen zwangsumgesiedelt, Dörfer und Landschaften zerstört werden. Dort möchten wir zeigen, dass eine andere Welt möglich ist. Eine, in der wir gemeinsam entscheiden und alle ohne Umweltzerstörung und Bevormundung gut leben können.

Bis das Klimacamp steht, sind einige Menschen im Vorfeld ehrenamtlich aktiv, mieten Zelte, bauen Kompostklos und erstellen Infomaterial.

KOMMT ZUM KLIMACAMP IM RHEINLAND!

Samstag ist es so weit, das Klimacamp im Rheinland beginnt!

Vom 11.-22. August wollen wir mit Euch reflektieren, strategieren und gute Beziehungen zu den Nachbar*innen aufbauen. Und ein wunderschönes Camp gestalten!

Eure Anreise könnt Ihr nach Erkelenz planen, den genauen Ort werden wir voraussichtlich am Mittwoch bekannt geben. Hier gibt’s ’ne Packliste, dass Ihr nix vergesst!

Das Programm steht im Zeichen der Solidarität mit dem lokalen Widerstand, von Reflektion und Strategiefindung für die Klimagerechtigkeitsbewegung. Es bietet zahlreiche Veranstaltungen und viel Platz für Open Space. Ein paar Highlights:

  • Diskussion mit Anwohner*innen aus dem bedrohten Keyenberg und Vertreter der IG BCE am Montag (13. August)
  • Markt der Möglichkeiten am Dienstag (14. August)
  • Konferenz „Structures for Change“ von Mittwoch bis Freitag (15.-17. August)
  • Strategiekonferenz der (deutschsprachigen) Klimagerechtigkeitsbewegung von Freitag bis Sonntag (17.-19. August)
  • Außerdem viel Kultur: Von Filmvorführungen über Konzerte, Akrobatik, Kabarett bis zu großartigen Partys ist mal wieder so einiges geplant, um eure denk- und aktionsmüden Geister zu entlasten!

Es gibt natürlich Kinderbetreuung.

Und noch eine große Herausforderung: Um das diesjährige Klimacamp im Rheinland zu finanzieren, brauchen wir dringend Unterstützung. Es stehen noch einige Ausgaben für Technik, Wasserversorgung, die Küche oder Zelte an – dafür sind wir auf Spenden angewiesen. Helft uns, diesen Aufruf in Eurem Bekanntenkreis, der Familie oder eurer engagierten Nachbarschaft zu verbreiten.

Wir freuen uns auf Euch!
Eure Orga-Crew des Klimacamps im Rheinland

 

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KOHLE GEGEN BRAUNKOHLE

Das Klimacamp 2018 findet vom 11. bis 22. August zum neunten Mal im Rheinland statt. Seit neun Jahren ist das Klimacamp im Rheinland ein Ort, der Mut macht für Klimaschutz und eine gerechte Zukunft zu streiten. Und das ausgerechnet im Rheinischen Braunkohlerevier, wo der Klimawandel durch dreckigen Kohlestrom befeuert, Menschen zwangsumgesiedelt, Dörfer und Landschaften zerstört werden. Dort möchten wir zeigen, dass eine andere Welt möglich ist. Eine, in der wir gemeinsam entscheiden und alle ohne Umweltzerstörung und Bevormundung gut leben können.

Bis das Klimacamp steht, sind einige Menschen im Vorfeld ehrenamtlich aktiv, mieten Zelte, bauen Kompostklos und erstellen Infomaterial.

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Klimaschützer umzingeln Kraftwerk Lippendorf / Sitzblockade fordert Raus aus der Kohle!

Pödelwitz, 04.08.2018*

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Seit Samstag um 13 Uhr wird das Kohlekraftwerk Lippendorf südlich von Leipzig durch Klimaschützer_innen blockiert. Die rund 350 Aktivist_innen der Aktionsgruppe „Kohle erSetzen!“ versperren mit zahlreichen Bannern die Zufahrten des Braunkohlekraftwerks. Dessen klimaschädlicher Betrieb wird dabei kurz vor dem Schichtwechsel erheblich gestört. Die kraftvolle Sitzblockade soll auf unbestimmte Zeit fortgesetzt werden. Die Blockierenden fordern die sofortige Einleitung eines konsequenten Kohleausstiegs.

 

Diese vielen hundert Menschen setzen sich mit ihren eigenen Körpern dem Unrecht der Klimakrise an einem seiner Entstehungsorte entgegen. „Wir dürfen nicht auf die klimapolitisch erstarrte Bundespolitik mit der Kohlekommission warten, denn diese bleibt hinter dem Nötigen meilenweit zurück“, so Mira Jäger als Pressesprecherin der Aktion. „Das im Pariser Klimavertrag verbindlich verankerte 1,5-Grad-Ziel rückt weiter in die Ferne. Angesichts des Politikversagens mit dem vernichtenden Verfehlen der 2020er-Klimaziele Deutschlands müssen wir selbst aktiv werden und unsere Gesellschaft mit Zivilem Ungehorsam wachrütteln.“ Eine Energieversorgung mit 100% Erneuerbaren Energien sei machbar, lediglich der politische Wille für eine schnelle Umsetzung fehle völlig.

 

Trotz des schnellen Ausbaus der Erneuerbaren Energien wird noch heute etwa ein Viertel des Stroms in Deutschland aus Braunkohle und damit dem klimaschädlichsten Energieträger erzeugt. Gleichzeitig wurden in den letzten zehn Jahren laut dem UN-Flüchtlingshilfswerk jährlich 21,5 Millionen Menschen durch Wetterextreme zumeist innerhalb ihres Landes vertrieben. Extremwetterereignisse sind mittlerweile etwa doppelt so häufig eine der Fluchtursachen wie Krieg und Gewalt. „Hitzesommer wie dieser werden durch den Klimawandel immer häufiger und stärker“, ergänzt Pressesprecherin Mira Jäger. Statt sich in ewigen Absichtserklärungen zu verlieren, fordert die Aktionsgruppe daher, Klimagerechtigkeit endlich mit einer globalen Perspektive umzusetzen. Denn im Globalen Süden, wo die Menschen am stärksten vom Klimawandel betroffen sind, finden auch die heftigsten Kämpfe gegen klimaschädliche Umweltausbeutung statt.

 

Im Braunkohlerevier des Leipziger Südraums werden für den Braunkohleabbau weiterhin hunderte Menschen umgesiedelt und Ortsgemeinschaften zerrissen. Im 700 Jahre alten Dorf Pödelwitz sind trotz seinem Schutz durch das Heuersdorfgesetz und fehlender Genehmigung der dort geplanten Tagebauerweiterung bereits 80% der Häuser von der MIBRAG aufgekauft worden. „Wir solidarisieren uns mit den widerständigen Bewohner_innen und fordern keine weiteren Umsiedlungen für Braunkohle – weder in Pödelwitz, noch anderswo“, so Clara Tempel von der Aktionsgruppe.Ein Moratorium für den Neubau von Kraftwerken und die Erweiterung von Tagebauplänen wäre nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes schon vor Jahren nötig gewesen.

 

Im Rahmen des Klimacamps Leipziger Land fanden in den letzten Tagen zahlreiche Workshops und Podien zur sozial-ökologischen Transformation statt. Als eine der Säulen des Klimacamp-Konzepts folgt nun der Aktionszeitraum mit zwei Fahrraddemos, Kleingruppenaktionen und der Sitzblockade „Kohle erSetzen!“. Bislang gab es keine Aktion des Zivilen Ungehorsams in einer solchen Größenordnung gegen den Kohleabbau bei Leipzig. Sie stellt einen Aufbruch für mehr widerständige Aktionen im Mitteldeutschen Revier dar. DieAktionist dabei eingebettet in eine wachsende Klimagerechtigkeitsbewegung weltweit. In diesem Jahr finden acht Klimacamps und zahlreiche Aktionen des Zivilen Ungehorsams in Europa statt. Ende Oktober sind rund um die Rodungssaison in der Waldbesetzung des Hambacher Forst bei Köln auch wieder Aktionen des Bündnisses „Ende Gelände“ angekündigt.

 

 

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Hintergrund

 

Greenpeace (2017): Studie zu Klimawandel, Migration und Vertreibung (Englisch).

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/20170524-greenpeace-studie-climate-change-migration-displacement-engl.pdf

UNHCR (UN-Flüchtlingshilfswerk): FAQ Climate Change and Disaster Displacement (Englisch).

http://www.unhcr.org/news/latest/2016/11/581f52dc4/frequently-asked-questions-climate-change-disaster-displacement.html

[Lausitzer-Kohle-Rundbrief]: Rundbrief vom 27. Juni 2018

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Rundbrief vom 27. Juni 2018

  1. Kohlekommission startet – Bundesweite Anti-Kohle-Proteste
  2. Bergschaden-Schiedsstelle für Brandenburg kann nur erster Schritt sein
  3. Wasserverlust von Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde: Bündnisgrüner Antrag im Landtag
  4. Beschluss der Gubener Kirchengemeide zu Bergbaufolgen
  5. Zum 20. Todestag von Gerhard Gundermann
  6. Rundbrief natürlich auch weiter als pdf erhältlich

 

1. Kohlekommission startet – Bundesweite Anti-Kohle-Proteste

Die Kohlekommission des Bundes (offiziell “Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung”) hat am gestrigen Dienstag ihre Arbeit aufgenommen. Die Lausitzer Kohle-Betroffenen werden in der Kommission durch Hannelore Wodtke aus Welzow vertreten. In der für zwei Stunden angesetzten Sitzung im Bundes-wirtschaftsministerium wurde zunächst die Geschäftsordnung und die Arbeitsweise der Kommission besprochen. Alle Kommissionsmitglieder verpflichteten sich dabei auch zur Verschwiegenheit über die Inhalte der Sitzungen.

Zwei Tage vor der ersten Sitzung der Kohlekommission hatten am Sonntag mehrere Tausend Menschen in Berlin und an über 40 anderen Orten in Deutschland für den Kohleausstieg demonstriert. Unter dem Motto „Stop Kohle – Deine Hände für den Klimaschutz“ forderten sie von der Bundesregierung einen gesetzlichen Ausstiegsfahrplan für Kohlekraftwerke und Tagebaue, mit dem die nationalen Klimaziele und das Pariser Klima-abkommen eingehalten werden. Für die Tagebaukritiker im Lausitzer Revier sprach René Schuster von der Umweltgruppe Cottbus. Neben Mitgliedern der Umweltgruppe waren vor allem Proschimer Bürger aus der Lausitz nach Berlin gekommen. Zeitgleich fand im vom Tagebau Jänschwalde betroffenen Taubendorf ein Gottestdienst zur Bewahrung der Schöpfung statt.

2. Bergschaden-Schiedsstelle für Brandenburg kann nur erster Schritt sein

Nach über fünf Jahren Kampf soll Brandenburg nun endlich eine Schiedsstelle für Betroffene von Bergschäden in der Lausitzer Braunkohleregion bekommen. Das gab das Brandenburgische Ministerium für Wirtschaft und Energie heute bekannt.

Die Welzower Stadtverordnete Hannelore Wodtke vom Netzwerk Bergbaugeschädigter der Lausitzer Braunkohleregion zeigte sich erleichtert: „Der jahrelange Druck hat endlich Wirkung gezeigt. Das unwürdige Lavieren der Landesregierung ist kein Ruhmesblatt gewesen. Permanent wurden Sorgen der Menschen in Tagebauregionen vom Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) auf die lange Bank geschoben. Wir hatten leider nur unterste Priorität bei der SPD-Regierung in Potsdam“. So verkündete Gerber kurz nach seiner Ernennung zum Minister im Jahr 2014, erst wolle er sich um die Zukunft der Braunkohleverstromung kümmern.

„Die Einsetzung der Kohlekommission scheint Entscheidungsprozesse in Potsdam und Berlin beschleunigt zu haben. Meine Vermutung ist, die Landes- wie auch die Bundesregierung versuchen das Thema im Vorfeld abzuräumen, bevor mit der eigentlichen Arbeit in der Kommission begonnen wird“, meint Wodtke. Es sei auch niemanden zu erklären warum Menschen in der Lausitz alleine gegen Kohlekonzerne um eine Entschädigung vor Gericht kämpfen müssen, während im Rheinischen Revier schon seit Jahren eine Schiedsstelle aktiv ist. Locker lassen will Wodtke dennoch nicht: „Die Einrichtung einer Schiedsstelle kann allerdings nur ein erster Schritt sein. Wir brauchen eine Beweislastumkehr wie es sie auch für Betroffene im Steinkohlenbergbau gibt“, sagt Wodtke. Dafür will die Tagebauanrainerin nun in der Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ streiten. Derzeit müssen bundesweit alle Geschädigten den Braunkohle-Bergbaubetreibern nachweisen, dass die Schäden durch die Kohleförderung verursacht wurden.

Warum die Schiedsstelle nur auf drei Jahre befristet sein soll, ist nicht erklärbar, moniert Wodtke weiter: „Es wird hier künstlich Druck auf die Betroffene gemacht, wie man es sonst nur vom Bergbaubetreiber kennt“. (Pressemitteilung Allianz für Welzow, leicht gekürzt)

3. Wasserverlust von Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde: Bündnisgrüner Antrag im Landtag

Der gravierende Wasserrückgang bei Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde wird am 28. Juni Thema im Plenum des Landtags. Die bündnisgrüne Landtagsfraktion gibt sich mit dem „Deal“ der Landesregierung und dem Bergbaubetreiber nicht zufrieden.

„Die Wasserstände müssen auf ein vorbergbauliches Niveau zurückgeführt werden“, fordert die bergbaupolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion Heide Schinowsky. Dazu braucht es unbedingt ein unabhängiges Gutachten, dem sich die Landesregierung bislang verweigert. In einer internen Arbeitsgruppe von Bergamt, Umweltamt und Bergbaubetreiber gab es die Verständigung darauf, die Wasserstände von 2010 als Referenzwerte festzusetzen. Ab diesem Jahr sei der bergbauliche Einfluss unstrittig gegeben. „Bei einem Wasserstand von 2010 ständen immer noch alle Stege am Pinnower See in der Luft“, kritisiert Schinowsky.
Dass die Seen bereits lange vor 2010 an Wasser verloren haben, ist unbestritten – hierfür wird aber von Seiten der Landesregierung nicht der Bergbau als Verursacher genannt, sondern nur der Klimawandel im Allgemeinen. „Ein unabhängiges Gutachten könnte hier Klarheit schaffen“, sagt Schinowsky.

Download Antrag „Gravierenden Wasserrückgang bei Seen im Umfeld des Tagebaus Jänschwalde stoppen und Wasserstände auf vorbergbauliches Niveau zurückführen“

4. Beschluss der Gubener Kirchengemeide zu Bergbaufolgen

Die Mitglieder des Gemeindekirchenrates der Evangelischen Kirchengemeinde Region Guben haben sich in ihrer Sitzung vom 7.6. 2018 gemeinsam dafür ausgesprochen, die Maßnahmen zur Bewältigung der Bergbaufolgen durch den Braunkohleabbau im Tagebau Jänschwalde kritisch zu begleiten. Insbesondere gilt dies für sämtliche Schritte zur Behebung der bereits eingetretenen und weiterhin zu erwartenden Schäden an den Seen des Gubener Umlandes infolge der großflächigen, tagebaubedingten Grundwasserabsenkung. (Pressemitteilung vom 20. Juni)

5. Zum 20. Todestag von Gerhard Gundermann

Am 21. Juni vor zwanzig Jahren verstarb plötzlich der Liedermacher Gerhard Gundermann aus Spreetal bei Hoyerswerda. Vor wenigen Tagen beging die Hoyerswerdaer Kulturfabrik diesen Tag mit dem Konzert “Gundermanns Lieder in Europa” bei dem seine Lieder in verschiedene europäische Sprachen übersetzt gesungen wurden. Ein Zeichen dafür, wie viele ihn nach wie vor als einen großem Lausitzer Poeten ansehen.

Der melancholische Kreuz- und Querdenker Gundi sah und besang immer beide Seiten, die Menschen im Tagebau, die von ihm vertriebenen und die zerstörte Natur. Und tatsächlich baggerte er im Tagebau Spreetal-Nordost auf sein eigenes Eingewecktes im Keller zu. Die Wende ließ die Kohleförderung stoppen, Gundermann arbeitete noch ein paar Jahre in der Sanierung und machte dann lieber eine Umschuldung zum Tischler, als von der Kunst leben zu wollen, obwohl er längst landesweit bekannt war und mit seiner Band etwa im Vorprogramm der Pogues in Berlin auftrat. Ein Linker, der die Sache mit der Arbeiterklasse so wörtlich nahm, dass er seine eigene Kunst sonst nicht glaubwürdig gefunden hätte. Einer der sich letztlich totgearbeitet hat.

Schon zu Lebzeiten begann eine subtile politische Vereinnahmung durch Menschen, die mehr als das Klischee vom singenden Baggerfahrer nicht verarbeiten konnten oder wollten. Radio-Musikredakteure erinnerten sich immer dann an Gundermann, wenn politische Entscheidungen zur Braunkohle anstanden und spielten dann immer tagebauromantische Lieder wie “Engel über dem Revier”, aber niemals tagebaukritische wie etwa “spricht der Teufel”.

Deshalb soll hier einmal explizit an den Tagebaukritiker Gundermann erinnert werden. Auch für die vielen Leser unseres Rundbriefes, die erst nach 1998 mit dem Thema Lausitzer Tagebaue in Kontakt gekommen sind.

Schon in seinem noch in der DDR eingespielten ersten Album schlug er Mutter Erde vor, statt Dürren in Afrika lieber dem Abendland auf die Fresse zu geben: ”Du mußt uns so lange schlagen, bis wir lernen bitte zu sagen, bis wir stolz und glücklich sind mit nem Appel und nem Ei und nem warmen Wind.” Wachstums- und Konsumkritik in einer Gesellschaft, deren Wachstum und Konsum mit der heutigen nicht ansatzweise vergleichbar war.

Der Dokumentarfilmer Peter Rocha, der in der Wendezeit mit “Die Schmerzen der Lausitz” als erster filmisch den Finger in die Wunde legte, berichtete von Gesprächen mit Gundermann, der ihn bestärkt habe, den Film trotz aller Schwierigkeiten unbedingt zu machen.

Als Gundermann 1990 erstmals die Lausitz aus dem Flugzeug sah (Luftbilder im Internet gab es damals ja nicht), verglich er die Schornsteine und Kühltürme mit “Kanonen, die in den Himmel gerichtet sind”. Und auch wenn viele jüngere Menschen es kaum glauben werden: der menschengemachte Klimawandel gehörte schon damals zur Allgemeinbildung und dürfte ihm bei dieser Formulierung sehr bewußt gewesen sein.

Nicht zuletzt trat Gundermann dreimal (1992, 1994 und 1996) ohne Gage beim Lacoma-Fest auf, unterstützte damit die mit einer Besetzung begonnene Wiederbesiedlung des Dorfes gegen den Tagebau Cottbus-Nord. In der Rückschau war das vielleicht sein deutlichstes Statement, dass er einen Ausstieg aus der Kohle für notwendig hielt.

Das alles machte Gundermann in den 1990ern zu einer Ikone der ostdeutschen Umweltbewegung, was zunehmend in Vergessenheit zu geraten scheint. Ein Spielfilm über Gundermann ist in Vorbereitung und soll im August Vorpremiere haben. Möge er keinen Anlaß zu politischer Vereinnahmung durch niemanden bieten. (Das Foto zeigt Gundermann im Jahr 1992.)

Der Verein: www.gundi.de

Die Musik: http://verlag.buschfunk.com/

6. Rundbrief natürlich auch weiter als pdf erhältlich

Mit dem Rundbrief vom 8. Juni habe wir technisch auf den Versand über unsere Webseite umgestellt. Einige Abonnenten haben dabei die pdf-Version vermisst. Das haben wir behoben und bieten die pdf-Version natürlich weiterhin an. Sie ist am Ende des jeweiligen Rundbriefes verlinkt, sowohl in der E-Mail als auch auf der Internetseite. Dort kann man auch den Rundbrief vom 8. Juni nachträglich als pdf herunterladen.

Der Rundbrief als pdf

 

 

Unser Klima ist nicht verhandelbar: Kohleausstieg sofort!

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Kommt zur Demonstration „Stop Kohle“, 24. Juni, 12 Uhr Kanzleramt

 

Am 26. Juni soll unter Leitung von bekennenden Freund*innen der Energiekonzerne die Kohlekomission ihre Arbeit aufnehmen. Wie schon beim „Atomkonsens“ soll der Konflikt um die dreckige Kohleverstromung totgeredet und befriedet werden. Doch wir wissen, dass echter Klimaschutz nur von unten kommt und gegen die Profitinteressen der Industrie erkämpft werden muss.

 

Das Klima ist nicht verhandelbar!

Alle wissen was zu tun ist, um die katastrophalsten Folgen des Klimawandels noch aufzuhalten. Es geht jetzt nicht mehr um Zahlenspiele und faule Kompromisse. Die wissenschaftlichen Fakten sagen: Die Erderwärmung auf 1,5C zu beschränken bedeutet Kohleausstieg sofort!

 

Keine dreckigen Deals mit der Kohleindustrie!

RWE, Eon & Co wollen sich das Abschalten von unrentablen Altkraftwerken auch noch versilbern lassen. Während sie Jahrzehntelang kräftige Gewinne eingefahren haben,schieben sie jetzt Arbeitsplätze und Strukturwandel vor, um sich weiter zu bereichern. Nichts da! Der Verursacher zahlt:

Kohleausstieg & Strukturwandel muss von den Konzernen bezahlt werden.

 

Kein Dorf und keinen Wald der Grube! 

Während sie verhandeln, werden weiter Fakten geschaffen. Um die Zukunft zu erkämpfen, müssen wir Lebensräume vor der weiteren Zerstörung bewahren. Kein einziges Dorf, kein Wald und keine Wiese darf mehr den immer noch wachsenden Kohlegruben geopfert werden.

 

Unser kapitalistisches Wirtschaftssystem beruht auf stetigem Wachstum.

Trotz Effizienz-Optimierung werden immer mehr Ressourcen verbraucht. So können wir das Klima nicht schützen! Politiker*innen, die Sonntagsreden halten, aber nicht mit der fossilen Industrie brechen wollen, können wir nicht vertrauen.

 

Wir stellen uns der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen mit unseren Körpern entschlossen entgegen.

Deshalb werden wir vom 25.-29. Oktober wieder Kohleinfrastruktur im Rheinland blockieren.

 

Wir starten unseren Protest am bundesweiten Aktionstag und rufen deshalb auf zur Demonstration „Stop Kohle“ am 24. Juni um 12 Uhr vor dem Kanzleramt.

 

Weitere Infos: www.stop-kohle.de

 

Ende Gelände Berlin

[Lausitzer-kohle] Rundbrief: Tiffert-Lesung zum Nachhören, IHK läßt Kohle-Freytag durchfallen

  1. Lesung in vom Tagebau bedrohtem Wald – auch zum Nachhören
  2. Richtungsentscheidung in der IHK?
  3. LMBV prüft Endlager für Ockerschlamm bei Meuro
  4. Millionenentschädigungen wegen Flächensperrung
  5.  Nachtrag zur BTU-Studie

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  1. Lesung in vom Tagebau bedrohtem Wald – auch zum Nachhören
    Im von Enteignung bedrohten Wald im Vorfeld des Braunkohletagebaus Jänschwalde veranstaltete die GRÜNE LIGA am Sonntag eine Lesung mit dem Lausitzer Schriftsteller Udo Tiffert, die als Filmmitschnitt hier angesehen werden kann.
    Nachdenken über die Lausitz muss mehr sein, als Wirtschaftsperspektiven zu diskutieren. Udo Tifferts Lausitz-Geschichten passen deshalb perfekt an diesen Ort, wo eine überholte Form der Energiegewinnung noch immer das Lebensumfeld der Menschen zerstören soll.
    Anfang des Jahres hat die LEAG dem Grundeigentümer die Nutzung des wenige hundert Meter kurzen direkten Weges seit Jahresanfang untersagt und ihm eine Zufahrt mit mehr als fünf Kilometer Umweg zugewiesen. Wir lassen wir uns aber nicht von unserem Vorhaben abbringen, regelmäßig mit Veranstaltungen auf dem bedrohten Waldgrundstück präsent zu sein und haben eine Radtour und einen Shuttleverkehr angeboten. So hatten die Teilnehmer auch die Möglichkeit, auf dem Weg zur Lesung eindrücklich zu sehen, wie sich der Tagebau auf Taubendorf zu frisst.

    2. Richtungsentscheidung in der IHK?
    Am 12. April 2018 wählte die Hauptversammlung der IHK Cottbus den Unternehmensberater Marcus Tolle zum neuen Hauptgeschäftsführer, da Dr. Wolfgang Krüger altersbedingt ausscheidet. Das spannende an diesem Vorgang: Wie die Lausitzer Rundschau am 13. April berichtete, setzte sich Tolle in der Wahl gegen Klaus Freytag durch, der Abteilungsleiter für Energie im Landeswirtschaftsministerium ist. Damit haben die Lausitzer Unternehmer schon zum zweiten Mal einem als Kohlelobbyisten profilierten Kandidaten die kalte Schulter gezeigt. Im Vorjahr hatte LEAG-Chef Rendez für einen Platz im achtköpfigen IHK-Präsidium kandidiert und war dabei durchgefallen. Ganz offensichtlich ist das Interesse der Unternehmer im Kammerbezirk an Themen wie Unternehmensnachfolge, Fachkräftemangel oder Infrastruktur stärker als an der Verteidigung der Braunkohlenwirtschaft. Hat Rendez Wahlniederlage die Lausitzer Zeitungsleser vielleicht deshalb bis heute nicht erreicht, weil sie nicht zum Mythos einer allein von der Kohle abhängigen Region passt? Der aktuelle Wahlverlierer Freytag war vor seiner Ministeriumszeit als Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe an vorderster Front für die Durchsetzung von Tagebauprojekten verantwortlich. Wahlsieger Tolle gibt als Arbeitsfelder seiner Berliner Consultingfirma „Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Industrie – Ansiedlungsberatung und Öffentlicher Sektor – Wirtschaftsförderung“ an. Eine Richtungsentscheidung der Lausitzer Unternehmer?

    3. LMBV prüft Endlager für Ockerschlamm bei Meuro
    Wie die Lausitzer Rundschau am 2. Mai berichtet, erwägt die LMBV die Entsorgung tausender Tonnen Ockerschlamm in einem Tagebausee nahe Meuro. Der Schlamm aus Eisenhydroxid und diversen Verunreinigungen fällt seit Jahren beim Ausbaggern verschiedener Spreezuflüsse und der Vorsperre des Spremberger Stausees an. Den früheren Plan, den Schlamm im Altdöberner See zu verspülen gab die LMBV nach intensivem Widerstand der Anwohner im Jahr 2016 auf. Seitdem wird eine andere (End-)lösung gesucht. Über die Entsorgung im „Restloch Westmarkscheide“ bei Meuro ist die LMBV nun mit den Flächeneigentümern Naturschutzbund und Naturschutzfond Brandenburg im Gespräch, beide haben sich noch keine abschließende Meinung gebildet. Das Aktionsbündnis Klare Spree schlägt nach wie vor eine oberirdische Deponie für den Schlamm vor, bei der er später ggf. als Rohstoff genutzt werden könnte.

    4. Millionenentschädigungen wegen Flächensperrung
    Von der Sperrung zehntausender Hektar früherer Tagebauflächen aus Sicherheitsgründen sind in Brandenburg noch immer 20 Landwirtschaftsbetriebe, 6 Forstbetriebe und 5 sonstige Gewerbebetriebe betroffen. Das geht aus der Antwort der Landesregierung (Drucksache 6-8523) auf eine kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Michael Schierack und Ingo Senftleben (CDU) hervor. Bis Ende 2017 hat die steuerfinanzierte Sanierungsgesellschaft LMBV an betroffene Landwirte insgesamt rund 2.847.000 EUR, an betroffene Forstbetriebe 61.000 EUR sowie an sonstige Betroffene 240.000 EUR an Entschädigungen gezahlt. Der sächsische Teil des Kohlereviers ist nicht enthalten. Die Fläche wurden von den Bergbehörden beider Länder nach der unvorhergesehenen Rutschung vom Oktober 2010 im Tagebau Spreetal  gesperrt. Nur ein kleiner Teil ist bisher wieder freigegeben.

    5. Nachtrag zur BTU-Studie
    Nachdem wir im letzten Rundbrief (11. April) die tendenziöse Kohlestudie der BTU kritisiert haben, tut das inzwischen auch die bundesweite Presse: Die Frankfurter Rundschau vom 21. April („Bröckelnde Brückentechnologie“) diskutiert den zweifelhaften Ansatz der Studie. „aus der Inflexibilität der Braunkohlekraftwerke eine technische Notwendigkeit zu ihrem Weiterbetrieb“ abzuleiten. Die Leser der Frankfurter Rundschau erfahren, was den Lesern der Lausitzer Rundschau vorenthalten wurde: „Braunkohlekraftwerke brauchen das Netz als gesicherten Absatzmarkt für ihren Strom mehr als dieses den Braunkohlestrom für seinen sicheren Betrieb.“

Dieser Rundbrief online

— Umweltgruppe Cottbus e.V.Strasse der Jugend 94; 03046 Cottbus+49 (0) 151.14420487www.kein-tagebau.deumweltgruppe@kein-tagebau.de

[Lausitzer-kohle] Rundbrief: Tagebau entwässert Seen, Kohlekonzern erpresst die Politik

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1. Protestwanderung gegen Tagebauschäden am 7. Januar von Kerkwitz nach Taubendorf
2. Tagebau Jänschwalde entwässert mehrere Seen
3. Martin Schulz verkündet den Kohleausstieg
4. Kohlekonzern EPH erpresst deutsche Politik

1. Protestwanderung gegen Tagebauschäden am 7. Januar von Kerkwitz nach Taubendorf

Für Sonntag, den 7. Januar laden Anwohner und Umweltgruppen zu einer Protestwanderung gegen Tagebauschäden ein. Am traditionellen Termin des Sternmarsches gegen neue Tagebaue gibt es in diesem Jahr eine Winterwanderung von Kerkwitz nach Taubendorf.

„Nach zehn Jahren erfolgreichen Widerstands gegen die Abbaggerung von Kerkwitz, Atterwasch und Grabko wollen wir weiter zusammenhalten. Der Grundwasserentzug bedroht nach wie vor die Seen, Wälder und Schutzgebiete, die unsere Region lebenswert machen. Die Schäden nehmen seit Jahren zu und werden mit jedem Meter Tagebaufortschritt stärker.“ sagt Christian Huschga aus Atterwasch.

Der Tagebau Jänschwalde droht zudem bis auf wenige Meter an Taubendorf heranzurücken. Die Gemeinde Schenkendöbern fordert in einem Brief an die Landesplanungsbehörde einen größeren Abstand des Tagebaues zum Dorf, um die Bewohner vor Lärm und Staub zu schützen. Eine Ausdehnung des Tagebaus bis Taubendorf wäre zudem nur durch die Enteignung privater Waldgrundstücke durchsetzbar – in den Zeiten der Energiewende ein absurder Vorgang.

Treffpunkt zur Wanderung ist um 13:00 Uhr am „Dreieck“ in der Ortsmitte in Kerkwitz. Die Anreise nach Kerkwitz ist auch mit der Bahn möglich. Die 4,5 Kilometer lange Strecke führt zur Taubendorfer Mahnglocke. Dort erwarten die Teilnehmer heiße Getränke, Kuchen, Informationen und Gespräche. Veranstalter der Wanderung sind die Agenda 21 der Gemeinde Schenkendöbern und die GRÜNE LIGA Umweltgruppe Cottbus.

2. Tagebau Jänschwalde entwässert mehrere Seen

Das brandenburgische Umweltministerium hat am 6. Dezember gegenüber dem RBB bestätigt, dass der Wasserspiegel von insgesamt sieben Seen im Umland der Stadt Guben durch den Tagebau Jänschwalde absinkt. Eindeutige Tagebaufolgen gibt es demnach beim Pastlingsee, Großsee, Kleinsee und Pinnower See, beim Schenkendöberner und Deulowitzer See schließt das Landesamt sie nicht mehr aus.

Bei der Grundwasserabsenkung führt der Tagebaubetreiber die Öffentlichkeit seit Jahren an der Nase herum. Die Aussagen des Landesamtes bestätigen, dass die Grundwasserabsenkung deutlich weiter reicht, als vom Unternehmen zugegeben. Badeseen, Wälder und Schutzgebiete sind gleichermaßen betroffen. Die GRÜNE LIGA fordert, das Voranschreiten der Tagebauentwässerung nach Norden zu stoppen.

Die Hydrologen des Ministeriums sehen beispielsweise im Bereich des Großsees und Kleinsees bereits eine tagebaubedingte Absenkung des Wassers um einem Meter, wo es nach Darstellung der LEAG-Konzerns noch gar keine Bergbaufolgen geben dürfte. Die aktuellste von der LEAG an die Bergbehörde berichtete angebliche „Beeinflussungslinie“ ist uns durch eine Akteneinsicht bekannt.

Die Landesregierung misst beim Tagebau mit zweierlei Maß: Während für den geplanten Cottbuser Tagebausee massive Propaganda gemacht und öffentliche Gelder bewilligt werden, schweigt die Politik, wenn der Tagebau funktionierende Erholungsgebiete wie den Pinnower See gefährdet. Dort sind etwa 500 Bungalows, Hotel, Tauchschule und Campingplatz betroffen.
Bereits im März 2017 stellte das Landesumweltministerium offiziell fest, dass der Wasserverlust im Pastlingsee zum größten Teil durch den Tagebau verursacht ist. Der Tagebaubetreiber Vattenfall (jetzt LEAG) hatte das zuvor jahrelang geleugnet. Doch bis heute verzögern die Landesbehörden die nötigen rechtlichen Konsequenzen gegenüber der LEAG.

In der heutigen Landtagssitzung (14. Dezember) bestätigte nun Umweltminister Vogelsänger auf Anfrage der bündnisgrünen Abgeordneten Heide Schinowsky, das montanhydrologische Monitoring und das Grundwassermodell der LEAG sollten aktualisiert und die Ergebnisse im ersten Quartal 2018 „gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt, der LEAG und der Bergbehörde bewertet“ werden. Soll also wieder der Tagebaubetreiber selbst beurteilen, ob er verantwortlich ist? Eine unabhängige Klärung der Ursachen sieht anders aus. Das Thema wird auch am 17. Januar im Umweltausschuss des Landtages öffentlich diskutiert.

Das Thema sorgte bereit bundesweit für Aufmerksamkeit, so wurde unsere Pressemitteilung vom 7. Dezember in n-tv, Lausitzer Rundschau, niederlausitz-aktuell, Berliner Morgenpost, MOZ, PNN, SVZ-Schweriner Volkszeitung, Süddeutsche Zeitung und Der Prignitzer zitiert, auch MAZ und BILD berichteten über das Thema. (Foto Kleinsee: ideengruen)

3. Martin Schulz verkündet den Kohleausstieg

In seiner Bewerbungsrede als SPD-Parteivorsitzender ließ Martin Schulz am vergangenen Donnerstag (7. Dezember) keine Zweifel daran, dass ein Ausstieg aus der Braunkohle notwendig ist. Die entsprechende Passage seiner Rede wurde schon Minuten später in den Radionachrichten etwa bei Antenne Brandenburg gesendet. Die Lausitzer Printmedien gaben sich etwas weniger Mühe mit dieser Nachricht, man kann auch nicht ausschließen, dass sie hier und da bewusst totgeschwiegen wurde. Wir nehmen uns die Zeit, die Originalpassage hier etwas ausführlicher zu zitieren, als die Radionachrichten:

„Die Erfüllung des Versprechens, dass wir der nächsten Generation eine intakte Welt hinterlassen, das ist der Prüfstein für unsere politische Existenzberechtigung. Der Klimawandel ist die große Herausforderung unseres Zeitalters. Ich selbst komme aus einer Kohleregion. Ich habe miterlebt, wie die Steinkohlebergwerke geschlossen wurden und tausende Kumpel ihre Arbeit verloren. Das sind bittere Momente.

Ich habe in meiner Zeit als Bürgermeister auch erlebt, wie wir es geschafft haben, dass niemand arbeitslos blieb, weil wir vorausgeplant hatten, weil wir Angebote für die Beschäftigten und die Regionen machen konnten. Und jetzt stehen wir vor einer ähnlichen Situation bei der Braunkohle. Die Wahrheit ist doch: Wir wollen die Klimaziele erreichen. Die Wahrheit ist auch: Das geht einher mit einem Ende der Kohleverstromung.

Das wissen die Menschen in der Lausitz. Die Menschen im mitteldeutschen und meine Nachbarn im rheinischen Revier wissen das. Diesen Menschen hilft keine Realitätsverweigerung. Ihnen hilft nur ein Zukunftskonzept. Aufgabe der Sozialdemokratie ist es nicht, Strukturen der Vergangenheit zu konservieren. Aufgabe der Sozialdemokratie ist es, eine Perspektive für die Zukunft zu geben!

Deshalb werden wir uns um diese Perspektiven kümmern! Wir werden uns darum kümmern, dass der Umbau gelingt. Aber das will ich Euch sagen: Nicht auf Kosten der Versorgungssicherheit. Auch nicht auf Kosten der Beschäftigten. Ja, dafür brauchen wir Milliardeninvestitionen in die Netze und Angebote für die Regionen.“ (Redewortlaut auf der SPD-Homepage, Hervorhebungen Grüne Liga)

Bedeutsam ist diese Aussage nicht etwa, weil man schon wüsste, wie konsequent Schulz in einer großen Koalition seinen Worten Taten folgen lassen würde. Bedeutsam ist aber das Signal an die Lausitz, dass die Einhaltung der Klimaziele durch Reduktion der Braunkohleverstromung keine bündnisgrüne Radikalposition war, die mit den Jamaika-Sondierungen gestorben wäre. In der Lausitz wird genau das seit Wochen immer wieder verbreitet. Tatsächlich ist in der deutschen Klimaschutzdebatte das Revierkonzept der LEAG die radikale Position, weil es die zu DDR-Zeiten gebauten Kraftwerksbklöcke bis nach 2030 in Betrieb lassen und mit Proschim und Mühlrose noch weitere Dörfer in Anspruch nehmen will.

Schulz machte seine Äußerung zudem in Gegenwart von Dietmar Woidke, der noch drei Tage zuvor auf der Barbarafeier der LEAG die üblichen Kraftsprüche zur Braunkohle abgesondert hatte und sich jetzt fragen muss, ob mit der „Realitätsverweigerung“ vielleicht seine Landesregierung gemeint war.

4. Kohlekonzern EPH erpresst deutsche Politik

Laut einem gestern veröffentlichten Interview im Wirtschaftsmagazin „Capital“ will EPH nur dann für die Tagebaufolgekosten ihrer Tochterfirma LEAG Verantwortung übernehmen, wenn die deutsche Politik gleichbleibende Geschäftsbedingungen für die Braunkohle garantiert.

Die GRÜNE LIGA fordert die Landes- und Bundespolitik auf, sich nicht vom Braunkohlekonzern erpressen zu lassen: Der tschechische Energiekonzern EPH benutzt sein verschachteltes Firmenkonstrukt offenbar, um die deutsche Politik zu erpressen. Dem Konzern müssen jetzt sofort entschlossen die Grenzen aufgezeigt werden.

Mit der Festlegung von Sicherheitsleistungen und der Einführung des Wassernutzungsentgeltes für Braunkohletagebaue hat die Politik verschiedene Möglichkeiten, Geld für die Folgekosten der Tagebaue zu sichern. Der Vattenfall-Konzern hat im Zuge des Verkaufs der Lausitzer Braunkohlesparte 1,7 Milliarden Euro für Folgekosten an EPH übertragen, als Betreiber der Tagebaue agiert aber das Tochterunternehmen LEAG mit nur 14 Millionen Euro Stammkapital. Im Fall einer Insolvenz zahlen die Bundesländer für die Tagebaurekultivierung.

Das Bundesberggesetz bietet die Möglichkeit, bei jeder Genehmigung von Betriebsplänen Sicherheitsleistungen anzuordnen, um die Rekultivierung sicherzustellen. Dass die brandenburgischen und sächsischen Bergbehörden unter den Wirtschaftsministern Gerber und Dulig nicht längst Sicherheitsleistungen angeordnet haben, ist grobe Fahrlässigkeit auf Kosten der Steuerzahler. Beide Minister sollten die persönliche Verantwortung für den Schaden übernehmen, der dem Steuerzahler droht.

Jan Špringl, Manager des tschechischen EPH-Konzerns hatte heute  gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Capital erstmals eingeräumt, dass die EPH nicht für die Verpflichtungen ihrer Lausitzer Tochter LEAG haftet. Man sei zu einer sogenannte Patronatserklärung bereit, „wenn die Politik die Rahmenbedingungen für unser Geschäft nicht ändert“, wird Špringl zitiert. (Pressemitteilung 13.12.2017)

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[Lausitzer-kohle] Rundbrief: Pläne in Woidkes Schublade / Protestwanderung am 7. Januar u.a.

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1. Brandenburger für Braunkohleausstieg – Pläne in Woidkes Schublade?
2. Der Kohle-Protest geht weiter: Einladung zur Protestwanderung am 7. Januar
3. Droht dem Kraftwerk Jänschwalde die baldige Schließung?
4. Evangelische Kirche zu Kohleausstieg
5. Brandenburg fällt beim „Leitstern“ weiter zurück
6. Bundesverwaltungsgericht bestätigt Wassernutzungsentgelt für Tagebaue – in Nordrhein-Westfalen

1. Brandenburger für Braunkohleausstieg – Pläne in Woidkes Schublade?
Eine weitere repräsentative Umfrage hat in der vergangenen Woche Mehrheiten für einen Kohleausstieg festgestellt. Diesmal unter Brandenburgern im Auftrag der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). Die berichtete am 15. November, dass 57 Prozent der Bürger für den Ausstieg und gegen neue Tagebaue seien, 38 Prozent für eine längere Kohlenutzung. Anlässlich der letzten Landtagsdebatte berichteten die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) vom 17. November nun bemerkenswertes:
„Woidke selbst, so heißt es aus Koalitionskreisen, wird seine harte Haltung für die Braunkohle öffentlich wohl erst aufgeben, wenn die Jamaika-Koalition tatsächlich steht, die genauen Vorgaben für Braunkohle klar sind. Die Pläne für den Schwenk der Landesregierung liegen bereits in der Schublade.“
Mit dem Ende der Jamaika-Sondierung wird sich Woidkes Theatervorstellung wohl vorerst fortsetzen. Weiteres Pokern wird aber entweder den Klimaschutz torpedieren oder zu sehr kurzfristigen Kraftwerksstilllegungen führen. Region und Beschäftigte bräuchten dagegen einen Ausstiegsfahrplan, wie ihn Woidke seit Jahren blockiert. Für Brandenburgs SPD könnte das starre Festhalten an der Kohle ähnlich verheerend ausgehen, wie ihre gescheiterte Kreisgebietsreform.

2. Der Kohle-Protest geht weiter: Einladung zur Protestwanderung am 7. Januar
Am 7. Januar laden wir zu einer Protestwanderung von Kerkwitz nach Taubendorf ein. „Tagebau auf Abstand halten: gegen Wasserentzug und Bergschäden, für Lebensqualität in Taubendorf“ ist das Anliegen der Veranstaltung. Außerdem droht privaten Grundeigentümern nahe Taubendorf noch immer die Enteignung ihrer Waldgrundstücke für den Tagebau.
Der erste Sonntag des Jahres um 13 Uhr ist der traditionelle Termin des Sternmarsches, mit dem die betroffenen Dörfer zehn Jahre lang Widerstand gegen den Tagebau Jänschwalde-Nord leisteten. Jetzt wollen wir diesen Tag und den gut erreichbaren Treffpunkt in Kerkwitz nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass die vom laufenden Tagebau Jänschwalde verursachten Probleme noch nicht gelöst sind.
Die rote Linie vor dem enteignungsbedrohten Waldgrundstück haben wir im Oktober auch von oben sichtbar gemacht. Dazu gibt es einen kleinen Film (1:42 Minuten) von ideengruen.

3. Droht dem Kraftwerk Jänschwalde die baldige Schließung?
„Kraftwerk Jänschwalde droht die Schließung“ titelte die BILD-Zeitung vom 13. November. Deutschland hat gegen die strengeren Grenzwerte für den Schadstoffausstoß von Kohlekraftwerken keine Klage eingereicht und damit die Forderung der Braunkohle-Länder Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen ignoriert. Diese Frist verstreichen zu lassen war allerdings kein Ergebnis grüner Koalitionssondierungen. Die Zuständigkeit lag bei SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks, was die Brandenburger SPD-Minister besonders ärgern dürfte.
Zeitgleich zum Klimagipfel in Bonn ist es ein wichtiges politisches Signal, dass Deutschland nicht gegen die Grenzwerte vorgeht. Allerdings ist das keine Überraschung oder heimliche Revolution. Denn erstens ist ein Verzicht Deutschlands auf eine Klage schon vor der Bundestagswahl aus Regierungskreisen angekündigt worden. Zweitens klagt ja stattdessen Polen. Drittens haben Klagen, egal von wem sie kommen, nur überschaubare Erfolgsaussichten. Und viertens hängen alle konkreten Folgen ohnehin von der nationalen Umsetzung der Richtlinie ab und davon welche Ausnahmen dabei zugelassen werden. Der Stand hat sich also seit der EU-Entscheidung im April nicht wirklich geändert: Die konkrete Umsetzung wird das entscheidende sein. Und die neuen Grenzwerte werden nur dann etwas bewirken, wenn Ausnahmen auch Ausnahmen bleiben und nicht etwa für alle Braunkohlekraftwerke gelten. Dabei wird man den Verantwortlichen weiter auf die Finger schauen müssen.
Die Kraftwerksbetreiber, darunter die LEAG, haben inzwischen eine Gruppenklage angekündigt, nachdem sie die Politik nicht vor ihren Karren spannen konnten. Mindestens ein Jahr wird aber bis zur Gerichtsentscheidung vergehen. Für eine Nachrüstung der Kraftwerke läuft den Betreibern dabei viel Zeit davon. Auch das erhöht die Gefahr, dass am Ende des Pokerns statt eines rechtzeitigen Ausstiegsplanes überstürzte kurzfristige Stilllegungen stehen werden.

4. Evangelische Kirche zu Kohleausstieg
Die Synode der Evangelischen Kirche fasste am 15. November den Beschluss „Engagiert für Klimagerechtigkeit“, in dem sie fordert „zeitnah ein Klimaschutz-Sofortprogramm für die Jahre 2018 bis 2020 aufzulegen, damit bis 2020 das vereinbarte Klimaziel einer Treibhausgasreduktion von 40% noch erreicht werden kann. In diesem Sofortprogramm sollte das sozialverträgliche Auslaufen aller Kohlekraftwerke, die bereits eine Laufzeit von über 30 Jahren haben, enthalten sein, flankiert durch Maßnahmen zur Sicherstellung der Versorgungssicherheit.“

5. Brandenburg fällt beim „Leitstern“ weiter zurück
Brandenburger Politiker haben sich über Jahre so häufig dafür auf die Schulter geklopft, dass Brandenburg den „Leitstern“ der Agentur für Erneuerbare Energien dreimal gewonnen hatte, dass mancher wohl heute noch glaubt, das Land stünde an der Spitze der Bundesländer. Im aktuellen Ranking ist das Land jedoch bereits auf Platz 6 zurückgefallen. Damit kommt den Landesministern eine weitere rhetorische Floskel zur Verteidigung der Braunkohle immer mehr abhanden. Inzwischen liegen Baden-Würtemberg, Bayern und Mecklenburg-Vorpommern an der Spitze des aktuellen Rankings.

6. Bundesverwaltungsgericht bestätigt Wassernutzungsentgelt für Tagebaue – in Nordrhein-Westfalen
Dass RWE-Tagebaue in Nordrhein-Westfalen Geld für das abgepumpte Grundwasser zahlen müssen, ist rechtmäßig. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht am 16. November und bestätigte damit die Entscheidungen der Vorinstanzen. Praktisch gleichzeitig mit der Gerichtsentscheidung hatte die rot-rote Mehrheit im Brandenburger Landtag einen Antrag der Grünen abgelehnt, die das Wassernutzungsentgelt für Tagebaue auch in Brandenburg einführen wollten. „Während RWE jetzt brav Millionenbeträge an das Land Nordrhein- Westfalen zahlen darf, wird die LEAG in Brandenburg auch zukünftig mit Steuermitteln in Höhe von 20 Millionen Euro pro Jahr indirekt subventioniert.“ kritisiert der Grüne Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke.
Zur Entscheidung des Gerichts.


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