Aktivist*innen blockieren Kattwyk-Brücke und verhindern Kohle-Transport nach Moorburg

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Fotos zum freien Download: www.gegenstromhamburg.de

09.Juni.2017 Heute früh gegen 8 Uhr seilten sich zwei Aktivist*innen der Gruppe Gegenstrom Hamburg von der Kattwyk-Brücke vor dem Kohle-Kraftwerk Moorburg ab, um auf die Umweltzerstörung durch die Kohleverbrennung in Vattenfalls Kraftwerk hinzuweisen. Mit der Aktion fordern die Klimaaktivist*innen einen sofortigen Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energieträger und einen Wechsel hin zu einer dezentralen Energie-Produktion in Menschenhand.

Anlass der Aktion ist der im Juli in Hamburg stattfindende G20-Gipfel, bei dem sich Deutschland auf dem internationalen Parkett als Klima-Vorreiter verkaufen wird. Öffentlich wird gegen den Klimawandel-Leugner Trump ein Bündnis geschmiedet, besonders, seit die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind. Jedoch herrscht auch in Deutschland noch immer eine Politik vor, die sich beinahe ausschließlich an Wachstum orientiert. Und das auf der Basis von Umweltzerstörung und der Verletzung von Menschenrechten.

Die Aktivist*innen kritisieren die Bevorteilung großer Energiekonzerne wie RWE und Vattenfall. So wurden z.B. die Umweltauflagen für das Kraftwerk Moorburg nach einer Klage durch Vattenfall verringert, was sich kürzlich als rechtswidrig heraus stellte. „So wie das Kraftwerk nun betrieben wird, hätte es gar nicht ans Netz gehen dürfen. Dagegen gab es auch schon vor dem Bau große Proteste!“, sagt eine der Aktivist*innen auf der Brücke vor dem Kraftwerk. Sie halten ein Transparent mit der Aufschrift „COAL KILLS – RECLAIM POWER!“ Damit machen sie auf die tödlichen Folgen von Abbau und Verbrennung Kohle aufmerksam. Auf einem zweiten Banner, welches die Kletter*innen zwischen sich befestigt haben, steht „Unplug Coal“ – Der Kohle den Stecker ziehen.

Der Hamburger Hafen ist sinnbildlich für den Verbrauch von Rohstoffen; hier werden jährlich 140 Millionen Tonnen umgeschlagen. Davon waren 2014 7,5 Mio. Tonnen Kohle, Tendenz steigend. Diese kommt unter anderem aus Russland, wo ihr Abbau, wie auch an vielen anderen Orten der Welt, ein Raubbau an Natur und Menschen ist: In den Tagebauen verschwinden komplette Landschaften, Lebensräume und Ökosysteme. Insbesondere indigene Gemeinschaften werden oft gewaltsam vertrieben, die Arbeitsbedingungen sind prekär. Eine immer wieder zu beobachtende Praxis, so auch beim Abbau von Uran in Namibia. Denn außer Kohle-Importen finden im Hamburger Hafen trotz und auch nach dem Atomausstieg durchschnittlich alle zwei Tage Uran-Transporte statt.

Die Gruppe Gegenstrom Hamburg fordert das Ende der Zerstörung von Lebensgrundlagen und der Forcierung des Klimawandels zur Gewinnmaximierung und Wirtschaftswachstum. „Es kann nicht sein, dass RWE und Vattenfall einfach weiter machen dürfen und für ihre Zerstörung auch noch Subventionen bekommen!“, empört sich ein Aktivist. Deutschland ist immer noch Braunkohle-Weltmeister: Die Kohleausstiegspläne der Bundesregierung beginnen nicht vor 2040. Ein unverantwortlicher Umgang, denn die Verbrennung von Braunkohle ist die CO2-intensivste Energiegewinnung überhaupt.

Vattenfall und RWE stehen als zwei der vier größten Energiekonzerne in Deutschland für die kapitalistische Organisation der Energieversorgung. Über 80 Prozent des von Vattenfall produzierten Stroms stammt aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken. „Die Produktion von Kohle- und Atom-Strom ist schlicht nicht mehr zeitgemäß“, sagt Nina Müller eine der Aktivist*innen, „wir haben andere Möglichkeiten. Warum sollten wir also weiter Wälder in tote Mondlandschaften verwandeln und Kohle und Uran um die halbe Welt verschiffen?! Die Zeit drängt und irgendjemand muss sich diesen Machenschaften in den Weg stellen!“

Die Protestierenden in Moorburg sind solidarisch mit anderen Aktionen weltweit gegen fossile Infrastruktur, gegen Vattenfall und gegen RWEs Braunkohle-Tagebaue im Rheinland.

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Gegenstrom Hamburg, 8.7.2015: Konflikt um Kohlekraftwerk Moorburg geht in die nächste Runde: Blockade des Schiffsanlegers angekündigt

Pressemeldung Gegenstrom Hamburg, 8.7.2015

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Laut Betreiber Vattenfall soll das Kraftwerk in Hamburg-Moorburg im Juli offiziell im Vollbetrieb ans Netz gehen. Die Reaktion des Klimaschutzbündnis Gegenstrom Hamburg darauf ist die Ankündigung einer Blockade.

Jennifer Havemann von Gegenstrom Hamburg: „Wir werden jetzt Samstag, am 11.Juli mit etlichen kleinen Booten auf der Süderelbe den Anleger des Kraftwerks Moorburg blockieren und so für einige Stunden die Anlieferung von Kohle verhindern. Und wir werden wieder kommen. Es ist schlicht Wahnsinn, im 21. Jahrhundert noch Kraftwerke mit der Dinosauriertechnologie der Kohleverstromung in Betrieb gehen zu lassen.“

Durch das Kraftwerk Moorburg werden große Mengen Feinstaub, Schwermetalle und Stickoxide ausgestoßen, die insbesondere im Hamburger Südosten ein erhöhtes Risiko von Herz-Kreislauf-, Lungen- und Krebserkrankungen bedeuten. Eine Studie der Universität Stuttgart kam zu dem Ergebnis, dass so bei Vollbetrieb pro Jahr in der Region durchschnittlich ca. 54 vorzeitige Todesfälle verursacht werden.

Basierend auf Daten der Bundesnetzagentur ist das neu gebaute Kraftwerk Moorburg im norddeutschen Raum die mit Abstand größte konkrete Einzel-Ursache für den globalen Klimawandel. Der Gesamt-CO2-Ausstoß von Hamburg steigt durch das Kraftwerk bei Vollbetrieb um circa die Hälfte, jährlich sind das zusätzlich rund 8 bis 9 Millionen Tonnen.

„Schon heute sind insbesondere für Menschen in vielen Regionen des globalen Südens die Folgen der Erderwärmung desaströs. Die Treibhausgas-Emissionen müssen schnell und drastisch sinken. Ein zeitnaher Kohleausstieg ist dafür von zentraler Bedeutung“, so Jens Fischer, ebenfalls aktiv bei Gegenstrom.

„Neben dem Widerstand gegen das Kraftwerk Moorburg engagiert sich Gegenstrom Hamburg auch in einem breiten bundesweiten Netzwerk. Bei der gemeinsamen Aktion ‚Ende Gelände!‘ werden am 14.-16. August viele Hundert Menschen durch zivilen Ungehorsam die größte CO2-Schleuder Europas, das rheinische Braunkohlerevier, lahm legen. Mit der Blockade des Kraftwerks Moorburg am 11.Juli werden wir auch auf ‚Ende Gelände!‘ verweisen.“ so Fischer.

Jennifer Havemann kommentiert die Abschlusserklärung des G7-Gipfel im Juni in Elmau: „Wie glaubwürdig sind Ankündigungen, die im Kern seit Jahrzehnten wiederholt werden? Deren Umsetzung jetzt wieder einmal nur für einen weit entfernten Zeitpunkt anvisiert wird? Auch das von den G7 propagierte 2-Grad-Ziel ist völlig unzureichend, u.a. würde es für Afrika 3,5 bis 4 Grad Erwärmung bedeuten! Inszenierung und tatsächliches Tun der G7 passen nicht zusammen. In Deutschland z.B. setzt die Bundesregierung noch nicht einmal die handzahme Klima-Abgabe um. Stattdessen werden der Kohle-Lobby zulasten der Allgemeinheit zusätzliche Milliarden zugeschustert, die Braunkohle-Tagebaue erweitert und neue große Kohlekraftwerke in Betrieb genommen, eins davon eben hier in Hamburg-Moorburg. „