Besetzung gegen Erdgas-Terminal noch bis Mittwoch

 

 

Seit Freitag besetzen wir ein Feld im Industriegebiet bei Brunsbüttel und werden hier noch bis Mittwoch weiter protestieren. Denn auf dieser Wiese soll in Zukunft ein Erdgas-Terminal gebaut werden. Wir protestieren hier gegen dieses Terminal, weil wir uns gegen die industrielle Nutzung von Erdgas aussprechen. Erdgas ist als fossiler Brennstoff klimaschädlich und nicht nur deshalb als Brückentechnologie ungeeignet.

In den letzten Tagen kamen einige Besucher*innen vorbei – wir informierten uns in Workshops über Kreuzfahrten, die Verkehrswende und die Baupläne zum neuen Terminal. Zur Verdeutlichung wie groß die neuen Gastanks werden sollen wurde der Umriss rund ums Camp mit Flatterband abgesperrt.

Der Ort für unseren Protest ist bewusst hier gewählt und nötig. Wir müssen unseren Widerspruch gegen die Klimazerstörung an die Orte tragen, wo sie verursacht wird. Das beabsichtigte Terminal soll ein Umschlagplatz werden für hauptsächlich in Nordamerika gewonnenes Methan werden. Das dieses Gas meist durch Fracking gewonnen wird, sorgt für zusätzliche Umweltzerstörung durch Erdbeben, verunreinigtes Grundwasser, und extrem hohe Methanemissionen die in den Klimastatistiken der deutschen Behörden nicht korrekt verbucht werden.

„Wir bauen die Besetzung für dieses Mal am Mittwoch ab, sichern aber zu, dass wir uns weitere Aktionen einfallen lassen, sollten die Pläne für das Terminal nicht endgültig auf Eis gelegt werden.“ kündigt eine Aktivistin an. Bis dahin steht Montag noch ein Vortrag zum benachbarten Atomkraftwerk um 16 Uhr und am Dienstag eine Abschlussdiskussion zum weiteren Widerstand an. Interessierte und Presse sind jederzeit willkommen, vorbei zu schauen und sich selbst ein Bild zu machen.

Eine weitere Aktivistin erklärt: „Wir wollen dass hier die Wiese bleibt – wir brauchen nicht mehr sondern weniger Industrie. Erdgas ist keine Brückentechnologie und verlängert nur die unnötige Nutzung fossiler Energie.“

 

Mehr Infos: Erdgas.nirgendwo.info

Twitter.com/ErdgasN

Pressemitteilung von „Kohleausstieg Berlin“ zur Veröffentlichung der Machbarkeitsstudie zum Kohleausstieg von Vattenfall und Berliner Senat

Berlin, 16.09.2019

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Berliner Senat und Vattenfall stellen heute erste Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie für den Kohleausstieg bis spätestens 2030 in der Berliner Fernwärmeversorgung vor. Das Bündnis Kohleausstieg Berlin begleitet die Vorstellung mit einer Aktion vor dem Heizkraftwerk Moabit und kommentiert die Ergebnisse wie folgt:

„Die von Vattenfall und Senat beauftragte Studie ist ein erster Schritt Richtung Kohleausstieg in Berlin. Allerdings sind die Ergebnisse bei weitem nicht ausreichend. Nur mit einem Kohleausstieg bis 2025, leistet Berlin einen gerechten Beitrag zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens. Berliner Senat und Abgeordnetenhaus müssen jetzt weitere Schritte einleiten, um die Berliner Fernwärme schnellstmöglich 100 Prozent erneuerbar zu machen. Der Senat ist gefordert, den Austieg aus Kohle und Erdgas im Fernwärmenetz auch gesetzlich durch ein Erneuerbare-Wärme-Gesetz zu verankern, das einen CO2-Grenzwert festlegt, so Eric Häublein von BürgerBegehren Klimaschutz.

Bernd Brouns von Power Shift  führt aus: „Die Berliner Kohle überwiegend mit fossilem Erdgas zu ersetzen, ist nicht mit dem globalen 1,5 Grad Limit vereinbar. Durch den hohen Erdgas-Anteil würde der Berliner Senat absehbar auch sein selbst gestecktes Emissionsbudget überschreiten, das sich lediglich am 2 Grad-Ziel orientiert. Durch den Fokus auf Erdgas droht die Berliner Fernwärmeversorgung in einer fossilen Sackgasse zu enden. Wann und in welchem Umfang das Erdgas durch synthetisches Gas ersetzt werden kann, ist völlig unklar.“

Julia Epp vom BUND Berlin ergänzt: „Ein signifikanter Anteil der Fernwärme soll in Zukunft aus der Müllverbrennung kommen. Die in der Studie angenommenen Müllmengen widersprechen jedoch dem Zero-Waste-Leitbild, das sich Rot-Rot-Grün zum Ziel gesetzt hat. Zudem ist das Verbrennen von Müll weder umwelt- noch klimafreundlich, sondern nach Vermeidung und Recycling die letzte Option.“

Markus Daschner von Greenpeace Berlin fordert von der rot-rot-grünen Koalition: „Aus unserer Sicht wurden die Potenziale für Erneuerbare Wärme, wie etwa Wärmepumpen oder Solarthermie in Verbindung mit Wärmespeichern, nicht zufriedenstellend untersucht. Der Senat muss jetzt dringend weitere Potenzialstudien durchführen und ein Forum schaffen, in dem weitere Akteure neben Vattenfall ihre Ideen für eine erneuerbare Wärmeversorgung in Berlin einbringen können.“

Uwe Hiksch von den NaturFreunden Berlin weiter: „Die heute vorgestellte Studie zeigt, dass es für die Wärmewende nicht ausreicht, allein die Erzeugungsseite zu betrachten: Um alle erneuerbaren Wärmequellen sinnvoll nutzen zu können und den Wärmebedarf zu senken, ist es notwendig, die an das Fernwärmenetz angeschlossenen Gebäude sozialverträglich energetisch zu sanieren.

Einen Fahrplan für sozialverträgliche energetische Sanierungen in Berlin gibt es weiterhin nicht und muss nun schnellstmöglich von Rot-Rot-Grün vorgelegt werden.“

Weiterführende Informationen:

https://www.kohleausstieg-berlin.de
https://www.kohleausstieg-berlin.de/slider/235-positionspapier-zur-berliner-waermewende

Bilder von der Aktion (verfügbar ab ca. 11 Uhr):
https://www.flickr.com/photos/kohleausstiegberlin/albums/72157710822930543

Weitere Bilder vom Protest von Kohleausstieg Berlin und Berliner Energietisch vor dem Vattenfall-Kraftwerk in Berlin-Moabit

 https://www.flickr.com/photos/uwehiksch/albums/72157710881219488

Über Kohleausstieg Berlin: 
„Kohleausstieg Berlin“ besteht aus verschiedenen klimapolitisch aktiven Organisationen in Berlin. Momentan zählen zu den Kohleausteiger*innen: Attac Berlin, BUND Berlin, BUNDjugend Berlin, BürgerBegehren Klimaschutz, gegenstromberlin, Greenpeace Berlin, GRÜNE LIGA Berlin, Fossil Free Berlin, NaturFreunde Berlin und PowerShift. Mehr Informationen unter: https://www.kohleausstieg-berlin.de/ueber-uns