Diffamierung der Klimaschutzbewegung auf der Protestkundgebung von RWE und Co

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Am 24.10.18 demonstrierten mehr als 15.000 Menschen in Bergheim und Elsdorf gegen den (schnellen) Ausstieg aus der Braunkohle. Nicht nur die Zahl der Teilnehmenden, sondern auch die Lautstärke war beeindruckend.

Ausgestattet mit Trillerpfeifen, Trommeln und Sirenen zogen sie durch Bergheim und Elsdorf nahe der Braunkohle-Abbaukante.

Für diese öffentlichkeitswirksame Aktion hatte sich der Energiekonzern nicht lumpen lassen. Er stellte die Betriebsabläufe seiner Kraftwerke und Tagebaue auf Notfallbesetzung um und charterte gemeinsam mit ver.di und IG BCE Busse, um tausende Mitarbeitende sowie deren Angehörige und Freunde in den frühen Morgenstunden zum Versammlungsort zu transportieren. Selbst Bewohnerinnen und Bewohner umliegender Ortschaften wurden eingeladen, den kostenfreien Bustransfer zu nutzen.

Die Strategie hatte Erfolg und der Frontalangriff gegen den zügigen Kohleausstieg konnte emotional und öffentlichkeitswirksam platziert werden. Funk und Fernsehen berichteten fleißig und stellten die Sorgen der RWE-Beschäftigten umfassend dar.

 

In einem Punkt hatten die Beschäftigten von RWE und Co Recht. Der Strukturwandel wird und muss umfassend sein. Nichts anderes ist zu erwarten, wenn sich ein fossiles Energiemonopol sukzessive vom Markt verabschieden muss. Hier ist die Politik gefragt, um finanzielle und planerische Unterstützung einzubringen und regionale Verwerfungen zu vermeiden.

Dass allerdings junge RWE-Beschäftigte Plakate mit „Wir sind die Zukunft der `sauberen` Energieversorgung“ hoch hielten und Kinder mit Schildern behängt wurden, auf denen stand, dass sie später mal bei RWE arbeiten wollen, war mehr als grotesk. Die Kohle steht vor dem Aus! Entweder hat der Konzern den Kopf bereits im Sand des Tagebaus vergraben oder wir befinden uns mitten im Kampf um milliardenschwere Entschädigungen für den Kohleausstieg.

 

Auch an aggressiven Gesten und sprachlichen Entgleisungen mangelte es nicht. Ver.di bezeichnete die Aktivistinnen und Aktivisten im Hambacher Wald als „Reichsbürger mit Rastas“ und stellte damit unverfroren die politischen Zusammenhänge auf den Kopf: Es war diese IG BCE-Demo, bei der AfD-Fahnen ungehindert geschwenkt werden durften. Und wenn RWE-Demonstranten das Klimaschutzcamp als „Terror-Camp“ abstempelten, kriminalisierten sie die Organisationsstrukturen der Bewegung. Anwesende Klimaschutz-Demonstranten wurden bebrüllt, mit Eiern, Bananenschalen und Krawallgerätschaften beworfen.

Die Spitze der Diffamierung allerdings erklomm Ministerpräsident Armin Laschet auf der späteren Abschlusskundgebung selbst: Es sei „gut, dass so viele tausend Leute hier zeigen: Wir können auch laut werden, nicht nur die, die Polizisten angreifen, bestimmen das Klima in unserem Land, sondern auch anständige Leute, die jeden Tag zur Arbeit gehen und unseren Wohlstand erarbeiten“.

Herrn Laschet sei hierzu ins Stammbuch geschrieben: Die Klimaschutzbewegung im Rheinischen Revier, in der Lausitz, in Mitteldeutschland und weltweit ist längst im bürgerlichen Spektrum verankert und nicht mehr weg zu pöbeln. Die Anständigen werden in den Reihen zu finden sein, die die brutalen Veränderungen im Klima im Blick haben und die überzeugende Ideen zum Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen präsentieren. Die Konzerne der fossilen Energiewirtschaft und ihre Vasallen gehören jedenfalls nicht dazu.

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RWE und IG BCE gegen Klimaschützer und Tagebau-Betroffene

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Antje Grothus und Michael Zobel als „Arbeitnehmerfeind Nr. 1“ verunglimpft / Dachverband warnt vor Hass und Gewalt

Bei einem Dorfspaziergang im Erkelenzer Ortsteil Keyenberg ist es am Sonntag zu wüsten Verunglimpfungen von Umwelt- und Klimaschützern und Betroffenen der Braunkohletagebaue gekommen. Die Polizei schritt ein und nahm dem Betriebsratsvorsitzenden der Kölner Zentrale der RWE Power AG, Walter Butterweck, ein Plakat ab. Es zeigt ein Foto von zwei Kohlegegnern, der Tagebaubetroffenen Antje Grothus und des Naturführers Michael Zobel, mit der Aufschrift „Arbeitnehmerfeind Nr. 1“.

„Nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster, das einen Rodungsstopp im Hambacher Wald verhängte, und der Ankündigung eines Stellenabbaus bei RWE durch den Vorstandsvorsitzenden Rolf Martin Schmitz scheinen bei RWE-Mitarbeitern und Mitgliedern der Gewerkschaft IGBCE die Nerven blank zu liegen“, sagte Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre. „Beim Brandanschlag auf das Feuerwehrfahrzeug des Bündnis gegen Braunkohle Anfang September haben wir erlebt, wozu blinder Hass führen kann.“ Dufner wies auch darauf hin, dass Antje Grothus von der Initiative Buirer für als Repräsentantin der vom Tagebau betroffenen Bürger*innen im Rheinischen Braunkohlerevier in der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung (Kohlekommission) mitarbeitet.

Michael Zobel dankte den anwesenden Polizisten für ihre „besonnene Art“. Sie hätten mit dafür gesorgt, dass die Pläne der RWE- und IGBCE-Angehörigen nicht aufgehen konnten. „Die niederträchtigen Plakate gegen Antje und mich mussten verschwinden, die Druckluft-Hupen konnten nicht eingesetzt werden. Gut so, diese üble Art der Auseinandersetzung brauchen wir nicht“, sagte der Naturführer, der nach mehr als 50 Waldspaziergängen im Hambacher Wald erstmals zum Dorfspaziergang am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler aufgerufen hatte.

„Wenn der Betriebsratsvorsitzende von RWE aus Köln das besagte Plakat stolz in die Höhe hält, dann zeigt das sehr deutlich, wie schwach die Argumente wirklich sind und auf welchem Niveau die Braunkohle-Befürworter angekommen sind“, meinte Zobel weiter.

Das Angebot Zobels an alle, beim Dorfspaziergang ein Statement abzugeben, nutzte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des RWE-Tagebaus Garzweiler, Klaus Emmerich. Es sei notwendig, das Gespräch zu suchen. „Unsere Ziele sind gleich, nur über die Wege dahin unterscheiden wir uns.“

www.kritischeaktionaere.de

Camps im Rheinland: Einladung zu interessanten Podiumsdiskussionen, Veranstaltungen und workshops

klimacamp 2017

Liebe klimabewegte Menschen,

 

dieser Tage schlagen verschiedene Camps ihre Zelte im Rheinischen Revier auf. Wir alle sind eingeladen an interessanten Veranstaltungen und workshops teilzunehmen.

 

Besonders hinweisen möchte ich auf zwei Podiumsdiskussionen mit Teilnahme u.a. von Manfred Maresch (IGBCE) am 20.08.2017 und eine weitere am 22.08.2017 (Details im Anhang):

  • Podiumsdiskussion zum Thema „gerechter Strukturwandel im Rheinischen Revier“ am 20.08.17 in der Stadthalle Erkelenz: 15 Uhr
  • Podiumsdiskussion : Was kommt nach der Braunkohle? Und wie wird der Weg dorthin gerecht? (Sonntag, 20.08.17, 20.00 Uhr), Kerpen-Manheim, camp for future
  • Podiumsdiskussion: „Die Wirtschaft der Zukunft“ (Dienstag, 22.08.17, 20.00 Uhr)

Kerpen-Manheim, camp for future

Anreise nach Kerpen-Manheim:

https://www.campforfuture.de/sei-dabei/anfahrt/

 

Eine ausführliche Übersicht ist auf den Programmseiten der verschiedenen camps zu finden.

 

Bildung und Vernetzung auf drei Camps

Vom 18. bis 29. August 2017 werden drei Klima- und Zukunftscamps im Rheinland stattfinden: das camp for [future], das Klimacamp im Rheinland und das Connecting Movements Camp. Auf den Camps wird Vernetzung mit Menschen aus ganz Europa und aus unterschiedlichen politischen Bewegungen ermöglicht und Alternativen werden erlebbar gemacht. In Bildungs- und Kulturveranstaltungen beschäftigen sich die Camps mit Braunkohlewiderstand, Klimagerechtigkeit, Antirassismus, Feminismus, einer ökologischeren Landwirtschaft und vielem mehr!

Auf dem Klimacamp im Rheinland wird außerdem zum dritten Mal die Degrowth-Sommerschule ausgerichtet, in der in mehrtägigen Kursen Alternativen zu einer kapitalistischen Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt werden.