Hambacher Forst: Party auf der Kohlebahn

Blockade auf Kohlebahn

Düren/Kerpen. In der Nacht auf Samstag, den 17. Oktober, haben Aktivist_innen unter dem Motto “Party auf der Hambachbahn” die Kohlebahn Hambach in Höhe des Bahnhofs von Buir besetzt. Ziel der Aktion ist es, Kohleinfrastruktur von RWE möglichst lange zu blockieren. Einige der Aktivist_innen sind an die Gleise gekettet.

Seit Jahrzehnten gibt es Widerstand gegen den Braunkohletagebau im Rheinland und die dafür erfolgende Abholzung des Hambacher Forstes, einem 15 000 Jahre alten Wald zwischen Köln und Düren. Dieser wurde seit
2012 mehrfach besetzt.

Durch den Tagebau werden auch heute noch Menschen umgesiedelt, der Feinstaub verursacht nachweislich Gesundheitsschäden und durch die Rodung des Hambacher Forstes wird ein einzigartiges Ökosystem zerstört.
Der CO2 Ausstoß der Kohleverstromung fördert den weltweiten Klimawandel, welcher immer mehr Menschen zur Flucht zwingt.

Im Rahmen der Besetzung kam es schon des Öfteren zu Schienenblockaden, Baggerbesetzungen und diversen anderen Aktionen. Neu bei der heute stattgefundenen Aktion war, dass sie zum ersten Mal öffentlich im Vorfeld angekündigt wurde. Im Rahmen eines zur Zeit stattfindenden Skillsharingcamps wurden zur Vorbereitung Aktionstrainings angeboten, die unerfahrenen Aktivist_innen die Teilnahme erleichtern sollen.

Um kurz vor 6 Uhr morgens gelang es ersten Aktivist_innen die Gleise der Hambachbahn zu erreichen. Die Hambachbahn steht bis zum jetzigen Zeitpunkt still. Rund 20 Menschen singen Lieder aus dem Braunkohlewiderstand und rufen Parolen wie “More trees – less police!” 6 Menschen sind an die Gleise gekettet.

Die Aktion richtet sich unter anderem gegen den Energiekonzern RWE, der auf Kohlestrom als Brückentechnologie setzt. “Wir müssen selbst aktiv werden für eine dezentrale Energieversorgung und für einen Stop des genzenlosen Wachstums und der daraus folgenden Zerstörung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten.”, meint Brumble, eine der Waldbesetzer_innen. “Wir müssen nachhaltige, solidarische Alternativen dazu aufbauen.”

Aktuelle Informationen und Hintergründe zur Wald-und Wiesenbesetzung sind unter folgender Website zu finden:
hambacherforst.blogsport.de

Baggerbesetzung zum Tag der deutschen Einheit

+++ Erneut Schaufelradbagger an oberster Abraumkante des Tagebau Hambach besetzt +++

 

Aktivist_innen der Anti-Braunkohle-Bewegung haben soeben einen der großen Schaufelradbagger im Tagebau Hambach besetzt – es handelt sich dabei um jenen auf der obersten Ebene, der Meter für Meter Boden frisst. Eine Person hat sich an den Bagger festgekettet, die Aktivist_innen stehen unter Druck durch RWE-Mitarbeiter_innen
Untenstehend findet ihr die Aktionserklärung

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Gegen Mauern auf den Grenzen, gegen Mauern in den Köpfen!

In den frühen Morgenstunden des 3. Oktober haben wir (mal wieder) den Schaufelradbagger besetzt, der im Tagebau Hambach an der obersten Kante 24 Stunden am Tag Landschaft vernichtet. Der 3. Oktober wird von vielen Nationalist_innen als „Tag der deutschen Einheit“ gefeiert – dieses Jahr unter anderem mit einer Mega-Festivität in Frankfurt. Während Menschen an den europäischen Außengrenzen sterben, Geflüchtete abgeschoben werden und in der ganzen Republik ein neuer Nationalismus wächst, feiern Deutsche das Ende der DDR und den Fall der innerdeutschen Grenze, der die vereinte Deutsche Nation ermöglichte – welch eine Perversion.

Kämpfe verbinden – System überwinden!

Gegen diese Absurdität richtet sich unsere Aktion. Die Braunkohle als „heimischer Energieträger“, um das kapitalistische Wachstum der deutschen Wirtschaft zu ermöglichen? Das werden wir zu verhindern wissen! „Wirtschaftswachstum“ ist schließlich genauso ein Credo des neuen Nationalismus wie der Kampf gegen die „soziale Hängematte“ und „Wirtschaftsflüchtlinge“. Der Nationalstaat muss an allen Ecken und Ende angegriffen werden – wir fangen mit seiner Energieversorgung an, und solidarisieren uns damit mit den Companer@s in Frankfurt, die hoffentlich heute im Laufe des Tages den Nationalist_innen die Party versauen werden!

Was ihr feiert – Armut, Ausbeutung, Leistungszwang!

Diese Zeit ist eine Zeit der Mauern – sie werden überall gebaut. Auf den gedachten Grenzen zwischen gedachten Staaten, um die Stätten der Macht dieser Regierung, vor den vollen Supermarktregalen, um unsere Freund_innen in den Knästen, und auch in unseren Köpfen – denn wenn wir über die ganze Scheiße, die passiert, angemessen nachdenken würden, wäre der Aufstand vorprogrammiert. Die Mauern sind also essentiell für die herrschenden Verhältnisse – der Kampf gegen diese ist in diesen Zeiten also ein Kampf gegen die Mauern. Wenn wir es schaffen, die Mauern abzureißen, sind wir der befreiten Gesellschaft ein gutes Stück näher gekommen.

Anbei: Gestern Abend konnten wir unseren Compa Jus wieder in unsere Arme schließen, nachdem er fast 3 Monate lang hinter Gefängnismauern leben musste. Wir sind so froh, dass du wieder da bist!

Infos aus: http://hambacherforst.blogsport.de/2015/10/03/baggerbesetzung-zum-tag-der-deutschen-einheit/

Hauptförderband im Tagebau Hambach blockiert

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Pressemiteilung

Düren/ Ellen. Am Samstagmorgen wurde das Hauptförderband im Tagebau Hambach blockiert. Vier Personen waren in zwei Stahlröhren, so genannten „Lock-Ons“, jeweils zu zweit aneinander gefesselt. Dadurch waren alle drei Hambacher Kohlebagger für mehrere Stunden still gelegt.
Das Hauptförderband liefert die Braunkohle aus dem Tagebau an den angeschlossenen Bahnhof, von dem aus wiederum die Hambachbahn die nahe gelegenen Kraftwerke beliefert. Das technische Team der Polizei hat zuerst die Förderbandkonstruktion durchtrennt und brachte die Aktivist*innen dann in eine der Werkstätten von RWE, um sie aus ihren Lock-Ons zu lösen.

Schon am vorigen Wochenende wurde durch die massenhafte Blockadeaktion „Ende Gelände“ und durch eine Aneinanderreihung von Schienenblockaden auf der Hambachbahn Protest und direkter Widerstand gegen den Braunkohleabbau geleistet. Der Aktienkurs des Energiekonzerns RWE befindet sich seitdem auf dem niedrigsten Stand innerhalb der letzten fünfundzwanzig Jahre. „Der Energieriese ist dabei, unter zu gehen“, kommentiert eine Aktivistin die Situation. „Es macht keinen Sinn, noch mehr Lebensraum zu zerstören und weiter mit der Steinzeittechnologie Braunkohle Unmassen Kohlendioxid auszustoßen, nur um ein einzelnes Unternehmen vor den Konsequenzen seiner eigenen Fehler zu retten.“ Der Sachschaden für RWE ist in solchen direkten Aktionen kein Nebeneffekt, sondern das Ziel. „Von unserer Generation wird erwartet, die Folgen einer Fehlentscheidung von vor 40 Jahren in Kauf nehmen. Das als demokratischen Prozess zu bezeichnen wäre Augenwischerei“, erklärt ein weiterer Aktivist die Beweggründe. „Im Konflikt um die Braunkohleförderung hat RWE jahrzehntelang alle Argumente ignoriert:
Klimawandel, Landschaftszerstörung, Gesundheitsschäden, Enteignungen, Subventionen und unzählige weitere Probleme werden in Kauf genommen, solange der Konzern genug Macht hat und genug von der Zerstörung profitiert. Um uns und kommende Generationen davor zu schützen, bleibt uns nichts anderes übrig, als diesen Profit mit direkten Aktionen anzugreifen.“